Freitag, 16. Oktober 2020

Begegnung

 

Im hellen Galopp rasten brennende Pferde durch das Meer in meinem Traum. 
Der Traum ist ein Reh. Ich war ihm angekündigt, doch der Rest einer Furcht hieß es, hinter einem Baum hervorzuschauen, bevor es seine Schnauze, ein kreisrundes Kissen, in meinen Bauch steckte. Die Augen drangen in meine Schultern wie Kugeln. Blütenmoleküle fielen aus dem Mark der Bäume ringsum. Das Rieseln war ein Wispern, das sich mit Gesang vermählte: die Wiesenblumen, die Grasspitzen, Flügel, die Luft pflügend. Die Erde, unter das Gras gezwungen, stöhnte tief. Und dort, im großen Blau, warst DU! 
Ich rief nach Dir und warf Brombeeren in Deinen Mund. Erlöst warst Du in der Offenheit des Himmels, frei Deine gebrochenen Augen in Strahlen, Schneeglänzen. 
 
Ich winkte und rief, mein eigener Geist in kindlicher Aufregung in diesem neuen Land. Noch oft werde ich hin und hergehen, Türen öffnen und schließen, sie klappern hören und versuchen, die Ströme in meinem Atem zu beruhigen. Die Turbulenzen, die aus meiner Fontäne schießen, wirbelnde Bänder.

Wir werden Gebirge aus Blumen bauen und darin eine Rast finden für die Gedanken an Dich. So ist es eben, die Hülle versenken wir, die Seele geht mit dem Wind oder mit dem Fluss. Wir bleiben hier, in unsere Körper genäht, vorläufig, endlich, die Füße auf Gras.



 
Juli/ Oktober 2020


Donnerstag, 15. Oktober 2020

Wolke


Ich mag so gerne Wolken leiden;

das ist die albernste von meinen Gaben,

und, von Natur aus unbescheiden,

muss ich, was mir gefällt, gleich haben.


Ich pflückt mir eine Wolke ab,

trug sie in beiden Händen

behutsam und sehr sanft herab,

um sie im Garten zu verwenden.


Ich konnte sie vom Liegestuhl aus sehn,

und meine Frau begoss sie oft und gerne.

Doch war sie lange nicht so schön

wie vorher aus der Ferne.


Der Himmel beugt sich schließlich nieder

mit seiner ganzen Last

und holt sich seine Wolke wieder.

Da schämte ich mich - fast.








Gedicht von meinem Vater, Rolf Göhring, August 1934 - Juli 2020





Dienstag, 22. September 2020

Atelier Neumond






Es war wirklich ein überwältigendes Wochenende mit offenen Ateliers und hunderten von Besucher*innen, die sich alle an die Corona bedingten Hygiene-Auflagen halten mussten, die teilweise Schlange standen und soviel Geduld und Interesse mitbrachten. Gespräche und Zeit mit so vielen Kunst-Gästen und auch Kolleg*innen, das gab es schon lange nicht mehr. Ein reichhaltiges Fest für eine ausgehungerte Künstlerschaft und ein ebensolches Publikum.

Dazu durfte ich meinen ersten !!! Schreibworkshop in diesem Jahr am Arp Museum durchführen. Ebenfalls eine Feier, ein Glück, gemeinsames Eintauchen in Kunstbetrachtung, eine Zeitreise durch Träume, Visionen und Zwischenwelten in der Kunstkammer Rau und das Erlebnis, innere Welten und Gedanken in Texte gefasst zu teilen. DANKE.







Zu sehen sind Schrift-Grafiken, Collagen, Zeichnungen, Bücher. Malerei und Illustrationen sind auf Postkarten erhältlich.
Vor allem die Bücher sind Gucklöcher in poetische Welten; Reisen durch jene Welten sowie geographische Länder wie Portugal, Island und Bulgarien.
Es gibt ebenfalls künstlerische Dokumentationen langjähriger Projekte wie die Liebesbriefe aus dem Koffer, 2004-2014, www.liebesbriefe-aus-dem-koffer.blogspot.com und eine Truhe mit handgebundenen Lyrik-Editionen aus den Jahren 2006-2017.
Die Planetenmaschine (2006-2011) ist als museales Objekt vertreten mit entsprechenden Video-Dokus und teils daraus ausgekoppelter, autonomer Videokunst in Wort, Bild und Klang.
In der Vitrine stehen neben bibliophilen Kostbarkeiten Instrumente und Schnitzereien aus der Zeit zwischen 1995 und 2013.

Eine Reise durch mein mäanderndes künstlerisches Leben, präsentiert im Bonner Atelier Neumond, das wir nun seit 10 Jahren betreiben.





















26. Offene Ateliers in der Bonner Altstadt, 19. und 20. September 2020.

 

Hier noch ein kurzes Video von Theo, der über viele Jahre an meinen Kunstprojekten teilnahm: www.evawal-kunstprojekte.blogspot.com.

 
 TheoFire:

Dienstag, 8. September 2020

Offenes Atelier

 
 
Wegen Überschneidung mit dem Schreibworkshop am Arp Museum (s. projekte/künstlerworkshops)
werde ich am Samstag vertreten. Am Sonntag bin ich persönlich anwesend.
 
 
 


Montag, 7. September 2020

Larve und Licht


 

Zwei Zeichnungen mit Pastellkreiden, je 42 x 58 cm, in Korrespondenz

zum Gedicht Dorfkirche, s. voriger Post.


Montag, 17. August 2020

Dorfkirche

Scharen von
Platanenblätterkrebsen
hasten über Plätze und durch Gassen

Wasser spritzt über gefrorene Kastanien

Aus Bäumen geschnittene Engel
bewachen die Toten in der kalten Kirche
aus sonnenheißem Stein

Diesen einen gerade Gegangenen
und Gekommenen haben sie
vor ihre Füße gelegt
Dort weilt er im Zwischenraum
weder an- noch abwesend

Er summt einen langen Ton der sich
ausbreiten darf in diesem Gebiet

Launisches Gelb sonores Bernsteingold
Veilchenviolett und Bleiweiß
sickern in das leiser werdende
Summen es

Zieht aus den Spalten und Schlüssellöchern
hinaus durch Gassen und über Plätze

Reitet auf Platanenblätterkrebsen
mit dem Wind

                zum Wasser

                            zum Ursprung
ins Blau.

 

 

Geschrieben in Collobrières, Südfrankreich, im August 2020

nach dem Tod meines Vaters am 27. Juli.

 In Trauer und Dankbarkeit *+

 

Die Zeichnung entstand am Morgen des Abschieds, einen Tag vor seinem Tod. 



Montag, 1. Juni 2020

Päijänne im Wald



Hier ist das Gedicht Päijänne zur Ausstellung "Der Wald und der Sturm"*
zu hören und zu sehen:


Dauer: 10:10 Minuten.
Performance, Sprache, Klänge und Bearbeitung: Eva Wal
Kamera: Oliver Kerth

* siehe voriges Posting:
Ausstellung Wald und Sturm im Juni


Ausstellung Wald und Sturm im Juni

Die erste Gruppen-Ausstellung nach dem Lockdown. Wir freuen uns sehr!




Foto: Isabel Oestreich.

Foto: Christian von Grumbkow

Ausstellungsansicht meiner Installation "Päijänne":
zwei Papierbahnen, je 100 x 250 cm, beschrieben (Kohle) mit den sieben Strophen meines Gedichts "Päijänne",
benannt nach dem tiefsten, längsten und zweitgrößten See Finnlands.
In der Mitte Schnur mit Fragmenten des Gedichts (s.u.).
Auf dem Notenständer: Gedichtedition (s.u., Edition), Spiegel (die rechte Papierbahn ist spiegelbildlich geschrieben), Besucher*innen-Info mit Verweis auf das Video auf diesem Blog im folgenden Juni-Posting ("Päijänne im Wald"). Das Video zeigt die Performance zum Gedicht, das gleichzeitig zu hören ist, unterlegt mit einer eigenen Klangkomposition.


© Foto: Rheinisches Bildarchiv, Michael Albers




Päijänne
Gedicht-Schnur, 2020
Gedichtfragmente mit Tinte handgeschrieben
auf Himalaya Lokta Büttenpapier und Papyrus an einer Schnur
Länge: 250 cm, Papiere jeweils ca 7 x 4 cm


Vorbereitung: Das Gedicht "Päijänne"*, aufgeteilt in zwei Schriftbahnen als Installation.
Linke Seite: geschrieben von links nach rechts.
Rechte Seite: geschrieben von rechts nach links.








"Päijänne" als Edition:



Päijänne Edition, 2010
Handgebundene Gedicht-Edition mit Originalgrafik
auf chinesischem Reispapier,
Einband kahari Naturpapier Walnuss
23 x 16 cm (quer)



Päijänne, 2020
Gedicht als Schriftgrafik, handgeschrieben vorwärts und rückwärts

mit Tinte auf Himalaya Lokta Büttenpapier, Türkisblau
50 x 75 cm
Unikat

 


* Das Gedicht "Päijänne" ist zu sehen und zu hören im nächsten Posting:
Päijänne im Wald.