Samstag, 30. Dezember 2017

passage





Mit dieser Passage über den Tejo wünsche ich allen einen guten Übergang in ein friedliches und frohes neues Jahr 2018!

With this passage over the river Tejo I wish you all a good passage into the new year 2018. May it be peaceful and happy!

Dienstag, 26. Dezember 2017

Schnee

Schnee

Wir haben an einer Blüte gerochen,
die Du zwischen Deinen Fingern
zerrieben hast

Zum ersten Mal brannte Licht in unserem Haus

Draußen auf der Brücke lag Schnee

Es gab Dich und mich
und eine Schale voller
Hoffnung




 


Neige

Nous avons senti l'odeur d'une fleur
que tu avais écrasée entre tes doigts

Pour la première fois la lumière
brillait dans notre maison

Dehors, le pont
était couvert de neige

Il y avait toi et moi
et une coupe remplie d’espoir



Übersetzung/ traduction: Martine Metzing-Peyre


Donnerstag, 21. Dezember 2017

Winterwende

 Ein Schneespaziergang im Garten


Eine helle, weiche Schicht hat die Welt überzogen. Zugedeckt die Welt vor meiner Tür

Weiße Räume in einer weißen Zeit
 

Die Stille dröhnt in meinen Ohren - hier draußen ist sie lebendig

Eine gezuckerte, gezauberte Weißwelt ruht sanft in meinem Handteller für einen Moment









 Zittern und Wiegen und sanftes Schaukeln der Bäume, der Äste, Zweige und Blätter 
im schneeblauen Himmel



Vogelfutter ausstreuen, Pflanzen abdecken,
den letzten Endiviensalat unter der Schneedecke
ausgraben, ernten und essen!
 




Singen möchte ich, schneesüß singen

Der Duft eines Morgens aus Schnee

Vögel fallen durch die Luft

Singen möchte ich, schneesüß singen 






 Die Statue am Teich trägt eine Schneeschlangenmuff und eine hohe-Priesterinmütze


Die kleine, alte Saalweide konnte der Schneelast nicht länger standhalten



 Eine Rosenblüte leuchtet rot aus dem Schnee,
ich hebe den Blick:


Bäume, Zweige, Himmel, Flockengewimmel kreuz und quer... und ich darin.


 (c) Eva Wal


Sonntag, 17. Dezember 2017

Alice und der Gärtner VII

Alice
7 Episoden

7. Episode
Früher Nachmittag im späten Frühjahr

Alice und der Gärtner



Geschrieben 2013 und 14, überarbeitet, herausgegeben 
und illustriert von der Autorin im August 2017


 
“Alice!”, es tönt und schallt aus dem Herrenhaus, das groß und einsam auf seinem Hügel in der klaren Frühlingsluft liegt.

Alice hat den Gärtner beklaut. Die Sorge um Löwenmäulchen und Tomaten, das Wissen um den Schnitt von Bäumen, Sträuchern und Beeren, die Pflege von Blumenrabatten, Gemüsebeeten, Kieswegen und Rasen - das alles gehört nun ihr.
Alice hat den Gärtner belauscht, alles aus ihm herausgezogen und     
-gesogen. Nun ist er nur noch eine leere Hülle. Ein Phantom, weiß Alice.
Und Doktor Grau ist wieder außen vor. Er ruft, weil er ahnt, weil er weiß, dass er nichts weiß: “A-lice!”
Das Glas vibriert in den Fensterrahmen des Herrenhauses, der Kater huscht schreckhaft davon und bleibt verschwunden.

Wenn jemand stirbt, dann legt man ihm einen Samen unter die Zunge. Das hat Alice irgendwo, irgendwann gehört, und sie trägt dieses Bild nun als Wissen in sich.
Sie sieht die Portraits der Ahnengalerie in den Fluren des Herrenhauses vor sich. Hohe Herren und ihre Frauen: Morsche Bäume wachsen unter ihren Zungen hervor und heraus aus den gold gerahmten Ölbildern, an den mit dunklem Holz vertäfelten Wänden im Haus des Doktor Grau entlang. Zottelige Wurzeln quellen aus den Rändern der Bilderrahmen und krallen sich an den Holztäfelungen fest.
Was ist mit dem Gärtner?
Ein Phantom ist kein Toter…
Doch Alice sieht das Gesicht des Gärtners dicht vor sich, bleich und hinübergegangen schwebt er seiner Ahnengalerie entgegen. Seine Augen sind geöffnet, der wasserblaue Blick sehnsuchtsvoll in die Ferne gerichtet. Welchen Samen soll sie ihm unter die Zunge legen?
Laubbaum oder Nadelbaum? Tanne, Linde oder Kernobst? Apfel, Birne, Quitte?

All die Ausdrücke, die Namen und Wörter, die Alice dem Gärtner abgelauscht hat, nutzt sie nun, um ihre Gedanken in einem großen Garten mit Wegen aus Begriffen und Wort-Anlagen spazieren zu führen. Gedankenbotanik.

Sie denkt an Palmen. An ferne Länder. An das Meer, das sie nur von Bildern kennt. Dort, im unheimlichen Herrenhaus hängt eines über dem Kaminsims. Aus dem finsteren, bleigrau-grünen, sich aufbäumenden Meer mit schäumenden Wellen ragen sinkende Schiffe und Ungeheuer hervor. Alice spürt das Bleigrau und das Salz des Wassers aus diesem Bild gelöst in sich selbst.

Händeschütteln. Da steht Doktor Grau und schüttelt dem Gärtner die Hand. Merkt nicht, dass der nur eine Hülle ist! Er hängt an Doktor Graus Hand wie ein leerer Handschuh.

Alices Augen sind benetzt mit dem Wasser ihres Brunnens. Ein Wind hat ihr gerade einen Sprühregen des Wassers aus ihrem Brunnen dort vor der Auffahrt herübergeweht. Die Tropfen leuchten hellblau auf ihrer Haut und in ihren Augen.
Sie sieht nicht nur den Gärtner als Hüllenwesen und Phantom, sie sieht nun auch noch Doktor Graus Skelett aus seinem Körper heraus leuchten.
Unter seiner Zunge liegt schon ein Samen.
Der Samen eines knorrigen Baumes aus einer Gruselgeschichte liegt unter der sich wie Wurzelwerk wölbenden Zunge, die sich nun ächzend bewegt und verschiebt, um ein Wort zu formen und durch die Kehle wie aus der Unterwelt heraus zu rufen: “Alice!”.

Der Gärtner hat wohl etwas über sie gesagt, und nun soll sie kommen.  Sie folgt, gehorcht, geht zu den beiden. Tanzt, im Rausch des magischen Wassers, das sie benetzt und kühlt an diesem schon heißen Tag im späten Frühjahr.
Das Gärtnerphantom schwankt hin und her, Doktor Graus Knochen klappern hart aneinander.
Sie beide beschuldigen Alice. Sie behaupten, Alice habe alle Narzissen in der Rabatte direkt vor der Terrasse, dem Eingang zum Herrenhaus, geköpft.

Alice formt ihren Mund zu einem: “o”. Sie schnalzt mit der Zunge: “ge - köpft?”
Narzissenköpfe, schwebende, gelborangene Lichter… sie weiß nicht wohin damit - - - könnte eine Weide zum Gärtner passen?

Der Baumsamen einer Weide und Narzissenköpfe liegen weit auseinander. Das heißt nicht, dass sie nichts miteinander zu tun haben. Weiden und Narzissen könnten sich verstehen.
Narzissenzungen trällern hübsche Liedchen, sie haben ein Vibrato, ein Tremolo, einen Sporan; die Weiden aber summen, klagend und tief; sie bilden weiche, schwere Klangteppiche, die sich auf dem Wasser niederlassen und davonschwimmen wie zarte Flügel. Orpheus und Ophelia.

Das alles aber, und das weiß Alice, ist absolut keine Erklärung für ihr Vergehen. Sie kann dazu nichts sagen. Geköpft?
Sie tänzelt auf der Stelle, sie erstarrt. Da liegen die Narzissenköpfe auf dem herrschaftlich gepflasterten Terrassenplatz und verdrehen die Augen.

Doktor Grau schaut kalt und böse auf das Kind. “Schon wieder!”, hört sie ihn mit klirrender Stimme sagen, und: “nicht noch einmal!” Dass es nun endgültig reiche, sagt Doktor Grau.
Von einer Strafe ist dann die Rede, von der erzieherischen Notwendigkeit einer dieses Mal harten Strafe.

Alices Gesicht verfinstert sich.
“Zu Hilfe!”, ruft sie den Geköpften zu, und die leeren Stängel vorm Herrenhaus wiegen sich wie ein Chor grüner Schlangenleiber im Mezzosopran.
“Einsperren!”, hört Alice, “dunkel”.
“Stockdunkel”.
“Zu Hilfe!”, ruft sie nun plötzlich in großer Not.
Stockdunkel, das bedeutet große Not!
Seenot.
Ungeheuer steigen aus der Tiefe auf, Masten eines Herrenhausschiffes bersten auf hoher See.

“Zu Hilfe!”

Blitzschnell lösen sich nun die Schlangenleiber von ihrer Rabatte und stürzen auf Doktor Grau zu. Sie winden sich um seine Gelenke und fesseln ihn. Gleichzeitig rollen die Narzissenköpfe heran; wie Kanonenkugeln auf Schiffsplanken donnern und grollen sie, springen auf einmal in die Höhe und treffen mit voller Wucht Doktor Graus Schädel, so dass es kracht und splittert. Im selben Moment, noch bevor man Blut sehen kann, stülpt sich die Hülle des Gärtners als Sack über Doktor Graus gefesseltes Skelett und schleppt sich mit seiner Beute zu einer Öffnung am Herrenhaus, ganz an der hintersten Ecke der Terrasse. Dort ist ein Fensterloch, das in den tiefen, dunklen Keller führt. Das Gärtnerphantom mit dem nun unsichtbaren Doktor verschwindet im Stockdunkel unter dem Herrenhaus, die Flotte der exekutierten Narzissenköpfe rollt hinterher wie eine Schar Lemminge.
“Halleluja”, singen sie im Chor. Man hört ihr Echo im Unterleib des Herrenhauses widerhallen, bis es sich dort verloren hat.

Alice legt einen Baumsamen in die Erde. An einer schattigen Stelle in der Nähe ihres Brunnens soll eine Weide wachsen.

Doktor Grau öffnet die Flügeltür des Herrenhauses und tritt auf die Terrasse. Er sieht das Mädchen Alice im Garten spielen. Dort am Brunnen hält sie sich am liebsten auf, besonders, wenn es so warm ist.
Es ist ein herrlicher Frühlingstag. 



Eva Wal

1. Episode auf diesem Blog im Post 11. September 2017 
2. Episode auf diesem Blog im Post 24. Oktober 2017
3. Episode auf diesem Blog im Post 11. November 2017
4. Episode auf diesem Blog im Post 21. November 2017
5. Episode auf diesem Blog im Post 03. Dezember 2017
6. Episode auf diesem Blog im Post 10. Dezember 2017



Sonntag, 10. Dezember 2017

Alice: Labyrinth oder Schnee im Dorf VI

Alice
7 Episoden

6. Episode
  Mittag im Winter

Labyrinth oder Schnee im Dorf



Geschrieben 2013 und 14, überarbeitet, herausgegeben 
und illustriert von der Autorin im August 2017



“Jeder Gedanke ist multidimensional”, haucht Alice in die Luft, die vor ihrem Mund steht wie eine weiße Wand. Gefroren die Luft, der Himmel, die Welt. Weiß das Gras. Knisternd, brechend, wenn Alice darüber geht, läuft, rennt, barfuß.
Sie hört das Gras krachen.

Mit Mütze und Schal steht Alice inmitten ihres gerade erst Gedachten.

Die Schuhe hat sie vergessen oder verloren.

Es wird schneien.

Schnee kommt vom Himmel herab, Durcheinanderflocken.

Das Haus, in dem sie eben noch stand, ist zu einem wahren Labyrinth geworden. In einem Moment nur sind die Flure zusammengewachsen, ist der Grundriss explodiert, haben sich die Räume aufgefächert, die Zimmer aufgespalten - wie auch immer das passiert ist.

Alices Gedanken haben sich festgeheddert, wie Strickmaschen verfangen, sind durcheinander geraten, eins rechts, zwei links, zwei rechts, eins links… links, rechts, rechts, links herum und plumps… Wie schade!
Alices Gedankenkäfige, ihre Vogelbauer, sind Durcheinandergezwitscher und -gezwatscher, einfach un-er-träg-lich!
Niemand weiß von ihrer Existenz.
Niemand von ihrer Gegenwart, ihrer Vergangenheit, ihrer Zukunft.

Sie        ist        das        Mädchen        Alice.

Reibt sich die Hände aneinander. Die Hände stecken in roten Handschuhen. Es schneit.

Alice hat Doktor Grau umgelegt. Ein rauchender Colt liegt im Schnee.
Ein Röcheln dringt aus dem gefrorenen Weiß.

Wer war er, dieser Doktor Grau?
Ein Mensch? Ein Untier? Ein Wolf?

Alice hat sich im Spiegel angeschaut, gerade eben noch, als sie in diesem Haus war, das jetzt plötzlich zu einem Labyrinth geworden ist. Es gibt keinen Beweis für ihr Zusammenleben mit Doktor Grau in einem Haus.

“Lange genug”, zischt Alice und bringt sich selbst auf. Sie schreit, dann brüllt sie diese zwei Worte, harmlose Aneinanderreihungen unschuldiger Worte, in den harten Frost: “Lange genug!”

Glas bricht, springt, Labyrinthsplitter überall; blindes, weißes Schneeglas.

Blendend helle Gedanken und gleißende Bilder verlassen Alice.
In einem leeren Dorf stehen sie mit ihr zusammen herum wie Silhouetten. Gärtner, Kutscher, eine alte Bäuerin, Kinder passieren die Dorfstraße an ihr vorbei, dann verschwinden sie in Alices Pupillen. Werden verschluckt vom Augendunkel. Alices Pupillen sind große Tore, die das Dunkel hüten.
Bedeutungslose Bilder, denkt Alice, Hüllen, Unterhaltung.
Es fällt ihr nichts besseres ein.

“Mord!” Das Wort stolpert aus Alices Mund wie ein Gefangener, der den Häschern entkommen will.
Wieder hinein in den Kerker! Rumms, das Kerkergitter fällt herab. Alice beißt die Zähne aufeinander. Nun geschieht das Ungeheure: der Gefangene entkommt! Der Kerker öffnet sich. Eine Welle schäumt. Auf ihrer Zunge fährt er wie auf einem Boot aus ihrer Mundhöhle hinaus.

“Lauf!”, ruft Alice zum Mörder, zum Dieb, der mit Doktor Graus Leben wie mit einem Bündel unterm Arm davonrennt so schnell er kann.
“Lauf!”, ruft Alice abermals hinter ihm her. Behände und flink springen die Worte über Stock und Stein: “Lauf, lauf, Dieb, lauf, lauf, lauf!”

“Sehnsucht und Wahrheit”, seufzt Alice. Manche Worte sind Tänzer. Solche lässt sie auf ihren Handtellern tanzen. Alice streut die schönsten Worte und Gedanken - Sehnsucht - und - Wahrheit - wie Vogelfutter auf die unberührte Schneedecke. Mögen Vögel kommen! Rotkehlchen, Meise, Rabe, Fink, Amsel, Specht, Adler, Kormoran, Geier, Phönix.
Wieder ein Durcheinander, wieder zurück: Solche Worte, die schöne, kostbare Gedanken zeigen wie klares Glas, glitzerndes Kristall, in dem sich Kerzenlicht spiegelt und bricht, nimmt Alice in ihre zarten Hände und betrachtet sie bewundernd. Andere schöne Worte, von warmen, liebevollen Gedanken geboren, hebt sie aus ihrem Schoß wie Keimlinge, die sie einpflanzen mag in den unberührten Schnee.

Doch der Schnee ist kalt.

Eine Silhouette nähert sich, kommt auf der Dorfstraße heran; ein scharfer, schwarzer Schatten im Mittagslicht. Der Kater?

Auf den Vorgärten, den Gärten hinter den Häusern und auf den Dächern liegt eine dicke Schneedecke. Die Häuserwände stehen unverschneit aus den Gärten hervor. Dorfzähne. Zu beiden Seiten der Dorfstraße sind dreckige Schneewälle aufgetürmt.

Schreiben findet Alice mühsam. Sie schreibt niemals etwas auf. Ihre Hände stecken in bleiernen Handschuhen. Denken ist schon eine Anstrengung, die ihr alles abverlangt. Mag es an den Gedanken liegen. Brennende Achillesverse.
Wider die Erschöpfung!, Alice jagt die Gedanken fort.
Doch ein unscheinbares Wort schält sich aus allen Gedanken, bleibt. Das Mädchen Alice sagt zum Dieb:
“L A U F”.

Etwas ist durcheinander gekommen mit den Bildern. Das Labyrinth und das Dorf passen nicht zusammen, sie sind zu unterschiedlich. Sie sind auch keine Gegensätze, die sich anziehen könnten. Dennoch sind sie hier zusammengeraten. Der Gärtner, der Kutscher, die Bäuerin; sie haben sich hineingestreut wie Salz und Pfeffer. Der Dieb, ein Lebkuchenmann.
Die Figuren bilden eine Gemeinschaft mit unbestimmter Bedeutung für Alice. Sie haben eine unbekannte Aufgabe.

Alice zieht den Handschuh von ihrer rechten Hand. Sie bückt sich und hebt den Revolver auf. Sie richtet ihn auf den Dieb, der noch immer davonrennt und Spuren hinterlässt im Schnee.
“Lauf“, sagt sie ruhig.
Ihre Füße sind kalt.



Eva Wal

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Sonntag, 3. Dezember 2017

Alice: Wunderworte V

Alice
7 Episoden

5. Episode

Wunderworte 

Bedrohung, Auslöschung, Geheimnis 



Geschrieben 2013 und 14, überarbeitet, herausgegeben 
und illustriert von der Autorin im August 2017


 
Verweben: das Geschehene, das Seltene, das Geräuschhafte, die Stille, ist Aufgabe von Alices Silberzunge.

Doktor Grau hat ihr gedroht. Nichts hat er gesagt, aber Alice hat es ihm angemerkt. Seine Augen wurden kalt und kälter; gebirgiger, steinerner und immer zerklüfteter sein Blick, während Alice farbige Sachen dachte.
Sie kann sich nicht mehr erinnern.
Doktor Graus Drohung erreichte sie in diesem Augenblick, als sie Bedeutendes, Entscheidendes verwob in ihrem Geist, in ihrem Sinn – so war es ausgelöscht.
Die Tür war zugefallen, diese schwere, alte Holztür, und Alice war plötzlich der Weg versperrt zu ihrem Brunnen.
Sie fand keine List, keine rettende Idee, keine Inspiration. Armes Mädchen!
Wie konnte sie auch nur ausgerechnet dieses kostbare, grüne Glas fallen lassen, aus dem Doktor Grau immer trank!
Deshalb hatte er sie so bedrohlich angesehen und den kostbarsten Denkmoment in ihrem Kopf zunichte gemacht, ohne es freilich zu wissen.
Er hatte sich selbst bedroht gefühlt. Was fiel ihr ein? Was hatte dieses dumme Ding schon wieder ausgeheckt?

Es blieb ein Geheimnis für sie beide.




Eva Wal

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