Montag, 29. Juni 2026

Junimond

 


Zwei Gedichte zum Übergang.

Das Alte wird verabschiedet, die schönen Erinnerungen alchimistisch verschmolzen, die Lehren geschluckt wie Medizin.

Das Neue ist frisch und ruft. Es ist schon da, ich bin schon dort. Das Räumen und Packen im alten Haus eine Strapaze, aber es ist bald geschafft. Ein Strudeln und Strömen sehr unterschiedlicher Energien. Klarheit. 

Vergangenheit.


Zum ersten Mai wird das Kreuz vor unserem Haus feierlich geschmückt.
Die Dorfbewohner kommen zu einer Andacht.
Das Fest ist vorbei. Der Schmuck wird sich selbst überlassen. Man kümmert sich nicht weiter bis in den Juni. 
Was nicht zur Feier gehört, bleibt liegen. Was nicht in vorgesehene Muster passt, bestenfalls ignoriert.
Hier wie anderswo. So ist es, war es und wird es sein. Lobet den Herrn!




Und an allen Orten tanzen die Glühwürmchen, blühen die Rosen, die Seerosen, die Linden, und es glüht der Erdbeermond. 






Neue Aussicht













Warum nicht mal eine Schnulze aus den 80ern zitieren, geröhrt und geraspelt von Rio Reiser.

Für mich war es das Ende einer schwierigen Schulzeit, der Aufbruch in die große weite Welt mit Rucksack, Schlafsack und Tramperdaumen, natürlich auch mit Liebeskummer... aber und vor allem mit Glück, viel Glück!




Dienstag, 2. Juni 2026

Home

  

 
 
 
 
  

The Scale 

 

 

How much does a whale weigh

against a bullet in a child?

 

How much is a cup of tea

for a journey on water  

with no shore?

 

How much is your love

scaled against justice for

a woman in a prison cell?

 

Is a planet worth less

seen from the whole of the universe?

 

How much do your belongings count

Your house your shelter your home

against a dictator’s will?

 

What’s the worth of your favourite things?

How do you measure memories?

 

How much does your childhood weigh

Can you trade it for feathers or for gold?

 

How much are your dreams

in a hand on the forehead of dying man?

 

How heavy is a flower or how

light against the grain of evil?

 

How much does the image of a god or

a goddess weigh against the mass of

people ready to kill for the idea of belief?

 

What weight needs a toe carrying a ballerina

or a tongue for a word of comfort or

a sting?

 

How much the devil is your money worth

And can you trade it for your fate?

 

How much is a weapon for wisdom?

A basket of sorrow

a quarrel a fight

for an eyeful of joy?

 

The amber of a happy moment

against the vastness of despair?

 

Does a trace of an artist’s single

brush stroke or a pencil’s line

compete with the colourful richness

of an Indian elephant decorated for

a festivity?

 

The whale in the ocean and the child

they ride the waves to a faraway shore

 

 

published here: 

 
 
 
 
  
Loslassen ist das große Thema bei einem Umzug, verbunden mit der Räumung eines ganzen Hauses, 
das über dreizehn Jahre hinweg voll und voller wurde bis zur Überfüllung. Wie ein Leib, der gar nicht
merkt, wie er zu schwer wird, während er aufnimmt, was nährend und wertvoll scheint, doch schon längst
nicht mehr verwerten kann, ist dieses Haus eine materielle Metapher für eine Lebenshaltung und
-situation.
Nun musste ein Konzept her, den Prozess des Anfüllens, des Sammeln und Bewahrens nachhaltig zu
verändern. Ihn zu überführen in ein leichteres Halten und Behalten ohne Verlustängste, in gestaltete
Räume, welche Ressourcen und Inspirationen angemessen verwalten sowie die künstlerische Produktion.
 
So freute ich mich besonders über die Ausschreibung zum Thema "weight" für Poetry Worth Hearing,
dem englischsprachigen Podcast und Online Magazine von Kathleen McPhilemy aus Oxford. 
Die Beschäftigung mit "Gewicht" im physischen wie metaphysischen Sinne ist wie eine Basslinie im
andauernden Projekt, den eigenen, unmittelbaren Lebensraum neu zu ordnen und zu definieren.
Das Gedicht "The Scale" gab mir die Gelegenheit, die Sicht auf mein eigenes kleines Leben wieder einmal
in eine weitere Perspektive zu überführen und erfreulicherweise in die Gesellschaft wunderbarer Gedichte
aufgenommen zu werden für Kathleens Episode 42 bei Poetry Worth Hearing.
 
Eine Neuentdeckung in diesem Monat war die französische Sängerin Camille.
Der Song "Home is where it hurts" trifft auf meine aktuelle Situation mit der permanenten Reflexion,
was ein Zuhause ausmacht.