Mittwoch, 1. April 2015

Fleck




Assoziative Klangpoesie zu Sophie Taeuber und Hans Arp, Ausstellung "Zweiklang"
im Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Freitag, 20. März 2015

Editionen


zum Frühlingsanfang
frisch gedruckt und genäht:

Quartalsedition März 2015
Einband kahari Naturpapier, rot gefärbt

Limitierte Auflage, 1/5, nummeriert, signiert,
gedruckt auf besonderem Papier


 Grafik "Visionäres Baumgedicht", Tintendruck auf Seidenpapier






Das "Visionäre Baumgedicht" finden Sie unter "lyrik" auf diesem Blog.


Grafik "Ankunft", Tinte auf Bütten

Textprobe:



Ankunft

Ich kam an, betrat das Haus, das Licht, das weiße Licht. In dem Licht war ein Fenster geöffnet, und ich trat ein. Augenblicklich wurde mein Gesicht von der Sonne, die mitten in dem Licht war, verbrannt und wurde schwarz. Dann aber begann mein Gesicht selber zu leuchten und zu gleißen wie reinstes, zerstörerisches Licht; es wurde ein goldener Sonnenteller. Meine Haare waren zu Palmenblättern geworden, der Wind schüttelte Silberplättchen aus ihnen hervor, die sich über Körper und Hände ergossen und davon stoben.
Das Meer war blau.
Bei seinem Anblick, ich sah es aus türkissteinernen Augen an, wuchs ein Garten aus meinem Gesichtsteller. Mein Gesicht war ein Teller schwarzer, fruchtbarer Erde, bedeckt mit gleißendem Licht. 
Mit meinen Gedanken bepflanzte ich den Teller; zuvor kultivierte ich die Erde.
In kleinen Gruppen standen die Pflanzen zusammen: blaugrüne, bauchige Kakteen, helle, gelbe Schlüsselblumen, grüngelbe Fetthennen, Pflanzen mit lila Fäden, die aus den Blüten hervorwuchsen, Wiesenschaumkraut in zartestem, fast durchscheinendem Blauviolett und kräftige Margeriten. Schafgarbe mit herbem Duft und unscheinbarer Frauenmantel.
In meinem Körper, über den sich das Silberlicht aus meinem Palmenhaar ergossen hatte und nun in kleinen Plättchen überall an ihm haftete wie Schuppen, so dass ich aussah wie eine Fischfrau oder ein Schalentierwesen aus der Urzeit, wütete eine Krankheit.
In meinen Bronchien, die wie kleine Büsche und Bäume in meiner Brust wurzelten, wohnten kleine, giftige Tautropfen. Sie waren überall, hatten alle Zweige und Verzweigungen besetzt; glitzerten an den Verästelungen, in der ganzen Bronchialvegetation; ein Tröpfchen saß dicht neben dem anderen. 
Dass sie alle voller Wut waren, hatte ich nur geahnt. Nun, da sie Ruhe und Licht bekommen hatten, platzten sie auf, und ihre Wut wuchs an zu einer großen Wolke. Gas, Giftgas, strömte durch meine innerkörperlichen Wege, Tunnel, Adern, Röhren. Ich kämpfte und röchelte. Ich hustete, würgte, krächzte und kämpfte bis zuletzt. Doch ich bekam keine Luft mehr.
Bei meinem Tod tauchten Äste aus der schwarzen Erde meines Gesichts auf; hohe, versteinerte Äste in Tänzerformationen. Mein Tod war ein sehenswürdiges Ereignis für die Natur. Mein gestorbenes Körperwesen verottete, zerfiel oder verweste nicht. Es wurde zu einer Erinnerung, zu einem Naturdenkmal, auf dem die Blumen zwar versteinerten, aber nie aufhörten zu duften. Das Schuppenlicht schimmerte, schien, glänzte und stob davon. Manchmal ließ sich eine Wolke aus Silberplättchen wie ein Schwarm auf dem Meer nieder und segelte auf seiner blauen Haut davon.




Quartalsedition Dezember 2014,
Einband Silberburg color, lichtechte Farbe,
100% Baumwolle

Limitierte Auflage, 1/5, nummeriert, signiert,
gedruckt auf besonderem Papier





Grafiken zu "Vom Verfallen" und "Vom Verblühen",
Tintendruck auf kahari Naturpapier


Textproben:


Vom Ver-fallen


Ein grobes Geschöpf steht in der Nacht

Eine Nagelskulptur

Spitze Nägel und derbe Pfähle
in den Kiefer gerammt

Das Geschöpf besteht fast nur aus seinem ziemlich groben Kiefer mit Nagel- und Pfahlzähnen

Seine Zunge ist ein pelziger Farn
Damit leckt das Geschöpf warme Milch vom Rande des Gartens

Es kauert sich in leuchtende Stellen in der Nacht, orangerot

Da steht eine Wächterfigur in einem Mantel aus Klatschmohn, glimmend in dunkelrotem Nachtleuchten

Die Figur steht am Gartenrand,
am Nachtrand, am Rande der Dämmerung; 
sie lässt keinen Traum hinein oder hinaus aus dem Leib der Nacht

Der Nachtleib des Gartens trägt verdorrte Früchte,
grüngelb und hart,
wie die Zähne im ziemlich groben Gebiss des groben Geschöpfs

Über den Rand seiner Zähne
wölbt sich ein Blumenmund

Ich küsse das Geschöpf

Mit ausgebreiteten Armen steht die Nacht vor uns: alles leuchtet rot

Ein Klatschmohnkuss

Der Schrei eines Pfaus dringt aus der Ferne
- Oder war es ein Esel?
   - Oder ist es ein Kauz?

Die Nacht ist ein Blatt, das fällt



Zwischenlicht

Das Glasgesicht

Entre chien et loup, das Zwischenlicht hat seine eigene Zeit.
Sollte ich vergessen lernen?
Dich einladen in mein Herz?
Wer wartet?

Der Müdigkeit nachgehend schlafwandle ich durch das dunkle Haus, durch offene und geschlossene Türen hindurch.
Ein Gesicht aus Glas mit elektrisch leuchtenden, roten Augen schwebt über die Flure des Treppenhauses hoch und hinunter. Das Treppenhaus ist eine Hügellandschaft. Gebirgig, mit blauen und gelben Blumen überzogen.
„Heimat“, ein Seufzer ertönt aus einem Schlüsselloch. Die Augen des Glasgesichts leuchten dunkelrot und violett. Unter einer Türschwelle dringt Veilchenduft hervor.

Nachdenken - über was?
Sammeln, zusammentragen, die Fetzen und Fragmente zu Geschichten festzurren.
Und dann?
Die Geschichten: Brot, Steine, Federn aus Silber und Blei, Schilfkörbe - soll ich sie aus den Fenstern werfen? Die Treppen hinunterstoßen? Ablegen vor einer Tür wie einen Moses im Schilfkorb? Ach, ja, dieser eine Schilfkorb... wen interessiert der schon?
Ein heiseres Röcheln steigt vom Fußboden auf.
„Mich!“, rufe ich laut, klar und deutlich: „Mich interessiert er!“
Meine Stimme tönt plastisch wie eine Figur; körperhaft, lehmig und farbig klingt sie in die Dämmerung hinein; entre chien et loup, zwischen Hund und Wolf, wo der eine sich unbemerkt in den anderen verwandelt.
Tun sie es?
Ich bin ihnen begegnet, beiden aufeinmal, dem Hund und dem Wolf, und das ist eine Seltenheit! Ich habe sie direkt und persönlich gefragt, ob sich der eine in den anderen verwandelt,in diesem Zwischenlicht,  in dieser Zwischenzeit. Doch bevor sie antworten konnten, stand das Glasgesicht am Waldrand - dort trug sich das Treffen zu - und das Glasgesicht sprühte grüne Funken aus den Glasporen; darüber vergaß ich die Antwort des Hundes und des Wolfs.
Ich weiß nicht einmal mehr, ob sie wirklich geantwortet haben.

Als sie mir wieder einfallen, sind sie verschwunden – verschluckt von ihrem eigenen Licht, entre chien et loup.
Zurück, zurück in den Tag!
Die Sterne stehen schon am Himmel, denn von irgendwoher fiel ein schwarzer Vorhang, lichtundurchlässig und teuer. Zum Glück fiel er zwar vor das Tageslicht, aber hinter die Sterne.
Sterne blühen wie Blumen; sie schmücken den Himmel, überziehen ihn mit einem See aus leuchtenden Farbtupfern und Veilchenduft.

Wir gehen zusammen schlafen.
Wir träumen.
Wir träumen.


Wir träumen.


Textgrafik, Tinte auf Papier




Mittwoch, 18. Februar 2015

VIAJO in Lissabon

www.galeriasemcriterio.blogspot.pt














VIAJO
Digital Video, PAL, 16:9
28:00 min
Film über einen Brief Fernando Pessoas an seinen
Freund Casais Monteiro
In deutsch/ portugiesischer Sprache
Portugiesischer Sprecher: Chambel Santos


Das Künstlerduo Nunomargarida, Bildhauer und Performancekünstler aus Lissabon, betreiben in ihrem Wohnzimmer, das sie "cubiculum" nennen, die Galerie "sem critério". In ihren politisch und sozial motivierten und engagierten Projekten öffnen sie, in bestem Beuysschen Sinne, die Kunst zum Leben und das Leben zur Kunst.
Im Jahr 2012 wirkten sie an der Entstehung des Films VIAJO mit, indem sie den Sprecher Chambel Santos vermittelten. Die Tonaufnahmen fanden in einer spontanen, nächtlichen Session in ihrem "cubiculum" statt.
Jenes Treffen war Inspiration und Keimzelle des Kunst-Projekts HYDRA am Künstlerforum Bonn im Jahr 2013.

Welch wunderbare Begegnungen!

Posts zur Ausstellung HYDRA auf diesem Blog, August und September 2013, und
zum Film VIAJO im Post März 2013, deutsche Premiere in Karlsruhe, "Franz Kafka Literaturbühne" bei Christoph Köhler.

The artists-duo Nunomargarida, sculpturers and performance-artists from Lisbon, call the gallery "sem critério" in their living room "cubiculum", "little space". Through their politically and socially motivated and engaged work they connect and open live to the arts and the arts to live; in the best sense of Beuys's "social sculpture".
In 2012 they helped with the production of the film VIAJO by asking the speaker Chambel Santos. The recordings took place in a spontaneous session during a long night at their "cubiculum".
It was just this beautiful encounter, which inspired me initially to organize an art-project named HYDRA. This exhibition took then place in Bonn at the Künstlerforum in 2013.

See the posts in this Blog: August and September 2013.


VIAJO-Trailer from Eva Wal - Art & Video on Vimeo.

 

Montag, 15. Dezember 2014

Hover Backhaus-Lesung

Der dritte und letzte Teil der ersten Hover Backhaus-Lesung

Erste Backhaus-Lesung Teil 3 from Eva Wal - Art & Video on Vimeo.


Eine frohe und friedliche Adventszeit!

Donnerstag, 4. Dezember 2014

10 Jahre Liebesbriefe aus dem Koffer!


Bildergalerie zur

Ausstellung und Buchpräsentation in der Fabrik 45 in Bonn,
28. - 30. November

Alles zum Reise und Performance-Projekt unter: www.liebesbriefe-aus-dem-koffer.blogspot.com



Es lesen:
Wolfgang Allinger und Adrienne Bremer:
Auswahl der Liebesbriefe aus dem Koffer;
Eva Wal: Kommentare; Christoph Köhler; Einleitungen
Elisabeth Göhring singt Lieder von Leoš Janáček




Renate Winstel-Krebs, Verlegerin des Vinscript' Verlags mit den druckfrischen Büchern
"Liebesbriefe aus dem Koffer"


Es machen Musik:
Paul Lindenauer, Violine; Achim Tang, Kontrabass; Salossi, Violine


















Neue Liebesbriefe werden geschrieben





Eva Wal vor der Lokation Fabrik 45 in der Bonner Altstadt




Besucher und Besucherinnen der Ausstellung am Wochenende

















Geschenk zum 10-jährigen Jubiläum: ein handgemachter Glaskunst-Füller, rot,
Tintenfass mit Ablage und Tinte, königsblau.

















Der Koffer mit neuen Liebesbriefen


Die Reise...


...geht weiter.

"Liebesbriefe aus dem Koffer",
ein Reise- und Performance-Projekt von Eva Wal,
2004 - 2014,
fortlaufend.


Fotos: Oliver Kerth und Eva Wal