Requiem für einen Kater - Le pas de chat noir - Gouache und scharze Tusche auf Leinwandpapier, 140 x 280 cm, Januar 2022
Requiem II - Gouache und schwarze Tusche auf Leinwandpapier,
140 x 140 cm, Januar 2022
Le pas de chat noir
Im Kunst-Kultur-Literatur Magazin, #kkl, erschien eine Veröffentlichung meines Gedichts "Dämmerung" sowie das Bild "Das große Geschehen", auch: "Rolfs Tod" oder "Father's Death".
Darauf lud mich der Redakteur Jens Faber-Neuling zu einem sehr angeregten Gespräch ein.
Im Nachgang (und auch schon während der vorausgehenden Gedanken dazu) fiel mir noch so viel Ergänzendes ein, dass ich es hier in einigen Kommentaren skizziert hinzufügen möchte.
Hier das Gespräch:
Kommentare/ Zusätze, nicht chronologisch,
sondern in eigenem Zusammenhang
Des Pudels Kern
Kindheit: Ich erzähle von meinem frühen Kinoerlebnis: "Faust" im Meersburger Kino. Meine Mutter und ich waren die einzigen Gäste in einem Kino, in dem ansonsten nur Grusel und Trash lief. Ich war tief beeindruckt, obwohl ich, noch nicht einmal zehnjährig, "nichts verstand".
Was ich verstand, war, dass die Sprache Goethes sich mit dem Klang der gesprochenen Sprache, Mimik und Körpersprache des Mephisto, gespielt von Gustav Gründgens und Faust, gespielt von Will Quadflieg, verband. Dieser Dreiklang ist nicht zu trennen, es ist ganzheitliches Sprach-Erleben.
In meinen Poesie-Performances habe ich dies später in meine eigene künstlerischer Sprache umgesetzt. Siehe Ende dieses Postings.
Paul Celan wurde mein erster, selbst entdeckter Dichter, den ich lange verehrte wie einen Heiligen.
Das Gedicht "Was geschah" eignete ich mir in meinen ersten Performances an. Ich lief barfuß über brennende Kerzen, die im Kreis um mich standen. Aus einem schwarzen, konischen Filzhut kam das Gedicht im O-Ton, gesprochen von Celan:
Was geschah? Der Stein trat aus dem Berge.
Wer erwachte? Du und ich.
Sprache, Sprache. Mit-Stern. Neben-Erde.
Ärmer. Offen. Heimatlich.
Wohin gings? Gen Unverklungen.
Mit dem Stein gings, mit uns zwein.
Herz und Herz. Zu schwer befunden.
Schwerer werden. Leichter sein.
Performance-Festival in der Orgelfabrik Karlsruhe, 2000
ArToll Kunstlabor, Rheinische Kliniken Bedburg Hau, 2001
"Kunst 77 bis zum Abriss", Bonn, 2006,
Performance mit Matthias Nahmmacher, Flöte,
Foto: Bernd Zöllner
Vor Celan, der im oben aufgezeichneten Gespräch mit Jens Faber-Neuling nicht vorkommt, nenne ich einige Dichter, die ich in meiner Kindheit vorgelesen bekam wie zum Beispiel Matthias Claudius. Da meine Familie aus Norddeutschland kam, genauer aus Hamburg, wuchs ich selbstverständlich mit Herrn von Ribbecks Birnbaum im Havelland auf. Meine gesamte Schulzeit aber verbrachte ich in Süddeutschland, in Meersburg am Bodensee, und so lernte ich auch den Knaben im Moor von Annette Droste-Hülshoff kennen. Dieser geographische Zufall vermittelte mir, dass auch Frauen als Dichterinnen berühmt werden können. Doch warum war sie eine Ausnahme?
So entstand ein Bewusstsein, das sich entwickelte und zur Grundlage für feministisches Denken wurde. Ebenso ermutigte es mich, an mein künstlerisches Potenzial zu glauben. Die Droste, mein erstes "role model", mein erstes Vorbild!
Noch drei Zitate zum Gespräch mit Jens Faber-Neuling.
Zum Thema des Zusammenhängens aller mit allem, dem Spüren von "Schicksalshaftigkeit" auf einem Waldspaziergang, zur Notwendigkeit, die Stimme zu erheben, etwas zu tun; dagegen das Gefühl der Machtlosigkeit, der Ohnmacht und der Gleichgültigkeit; dazu sagt Albert Schweitzer:
Bei der Schlafkrankheit der Seele besteht die Hauptgefahr, dass man sie (ebenfalls) nicht kommen fühlt. Wenn ihr die geringste Gleichgültigkeit an Euch merkt oder gewahr werdet, wie in Euch der Ernst, die Sehnsucht, die Begeisterungsfähigkeit abnimmt, dann müsst ihr wissen, dass die Schlafkrankheit der Seele im Anzug ist.
Zurück zu Celan.
Für wen schreiben wir?
Wen wollen wir erreichen - wie und wo?
Das Gedicht kann eine Flaschenpost sein, aufgegeben in dem Glauben, sie könnte irgendwo und irgendwann an Land gespült werden, an Herzland vielleicht.
Paul Celan
Wer und was hat uns erreicht, unser Herzland?
Last not least, zum Schreiben und Dichten:
Das Schreiben, so Frederike Mayröcker, sei eine Disposition. Das empfinde ich auch so. Man/ frau kann nicht anders, als das Erlebte, sei es äußerlich noch so banal und unbedeutend, das, was einen bewegt, in Geschriebenes zu transformieren, ersteinmal ungeachtet der literarischen Qualität.
Das Gedicht ist dabei eine besondere Form, ein Extrakt, eine Perle, ein Kondensat, ein "Parfum".
Alles andere, der "Rest", ist für mich jedoch nicht wertlos.
Ich liebe das Fragment. Ich schöpfe aus der Fülle meiner angesammelten Fragmente, und immer mehr finde ich Gefallen und Freude daran, Geschriebenes fragmentarisch belassen zu können.
Ein Fragmentariker, den ich hier wärmstens empfehlen möchte, ist Hans Jürgen von der Wense.
Eine echte Entdeckung - vielleicht auch für Dich oder für Sie!
https://www.juergen-von-der-wense.de/
Zum Schluss ein Fragment aus Wenses Herzland:
... ich erlebe in der kunst niemals das produkt, sondern einzig das phänomen! Sie ist nur Eine welle im weltenmeer, Eine linie und riege im spiele des lebens. Wir sind verschlungen in der wahnsinnsphantasie. Alles ist mitte: licht, das alles werden kann, weil es alles schon war. Wozu wir leben? Um anzubeten - mit dem herzen zu denken.
12. August 1955
aus: Hans Jürgen von der Wense, documenta Wanderungen, blauwerke, Berlin 2015.
Poesie-Performances aus meinem Archiv
"Erde", Gedichtvortrag als Performance, Kult 41, 2005
Foto: Ralf Schuhmann
"Schneegefühl", Performance meiner Gedichte
aus der gleichnamigen Edition,
Theaternacht 2008,
KunstWerk Köln-Deutz,
zusammen mit Angelica Schubert mit Berimbao und Obertongesang
Fotos: Oliver Kerth
kommen zusammen.
Auf meinem alten Blog finden sich noch viele dieser Gedicht-Performances, Installationen oder Konzerte:
http://www.evawal.kulturserver.de/
Diese Formen des körperlichen Sprechens zusammen mit Klang und Musik
sollte ich wieder aufleben lassen!
Buchankündigung, Frühjahr 2022
Zum Greifen fern
Gedichte 2020-21
128 Seiten, darunter 15 Farb-Bilderseiten
Handbuchbinderische Verarbeitung: Steifbroschur,
Titelprägung, Ausstanzung im Buchdeckel, kaschierte
Pappe, Leinenfälzel, Leseband
Wertige Papiere in creme für Text und weiß für Bilder
Buchbinderin: Miriam Kleiner,
www.kleinergleichpapier.de
Druck: Alf Germanus Grafische Erzeugnisse,
www.agermanus
Preis: 44,- EU inkl. Mwst
Bestellungen unter: evawal (a) gmx.net,
Betreff: Bestellung Maria Valewa
In Maria Valewas Lyrik findet sich oft noch die Einheit von Mensch und Natur, Ich und Umwelt, die dem kindlichen Empfinden nahekommt, aber später im Erwachsenenalter verloren geht. Valewa erschafft einen Raum, in dem alles ineinanderfließt und eine traumartige, zuweilen auch mystische Atmosphäre herrscht. Diese Grenzdurchbrechung ist kennzeichnend für ihr Werk.
Dass die Autorin unter dem Klarnamen Eva Wal auch als bildende Künstlerin in Erscheinung tritt, lässt sich an der Plastizität und dem Bildreichtum, nicht zuletzt dem Spiel mit den Farben, unschwer erahnen. Ergänzt wird der Band durch Malerei, die dem Leser viel Raum lässt und gleichzeitig mit den Gedichten in einen Dialog tritt.
Sigune Schnabel
Kostprobe Text und Bild schon einmal hier:
https://kunstkulturliteratur.com/2022/01/03/dammerung/
NXY-Schneevogel from Eva Wal - Art & Video on Vimeo.
NYX-Der Mond from Eva Wal - Art & Video on Vimeo.
https://www.juergen-hoeritzsch.de/
https://www.juergen-hoeritzsch.de/printmaking-art/nyx.htm
Heute der erste Frost, die Welt ist geweißt am Morgen, alles zieht sich zusammen.
Ich streue Vogelfutter, so ist immer ein Flattern ums Haus.
Gestern schien die Sonne am Mittag, ich war wieder bei meinen Buchen im Wald.
21. November 2021
Nun ist sie da, meine erste Sammlung deutsch-englischer Gedichte. Als Broschüre, 72 Seiten, Format A5, mit fünf schwarz-weiß Abbildungen meiner Bilder. Gedruckt von der Stadt Bonn, Oxford-Link.
Klappentext/ Blurb
The images and the poems speak to each other and the collection as a whole speaks to us. When an artist creates space, we enter a dialogue, too. It is an intriguing relationship and one that I value. Many languages make a world. Eva Wal is a fine interpreter. Poems in the Hourglass is unique and universal.
Pat Winslow
Die Arbeit an diesem Werk ist in der Tat Frucht einer langjährigen Zusammenarbeit und Freundschaft mit dem Dichternetzwerk Oxford Stanza 2, das für mich besonders im Lockdown zu einer lebendigen Brücke aus der Isolation wurde. Besonderer Dank an Bill Jenkinson, der den Laden zusammenhält, so dass das Netzwerk brummt, und an Pat Winslow für Rat und Unterstützung! Thank you! Danke!
Kostprobe
Im Rahmen der Bonn-Oxford-Wochen ist für das nächste Jahr, 2022, ein Kunstprojekt geplant, das bildende Kunst und Lyrik verbindet.
Meine Gedichte werden dazugehören, ebenso meine bildende Kunst.
Ausstellungen und Lesungen und ein weiterer Lyrikband sind in Arbeit.
Mit meinem Fernrohr hole ich die Welt heran
Scharfgestellt oder verschwommen
zittern Details und Fragmente im
Oval meiner Sicht die Ränder
laufen aus
Zeit ist verklärt und surreal die Welt
Ich sah Seehunde auf einer Sandbank
in der Nordsee liegen das Ausflugsschiff fuhr
nah vorbei
Doch von da oben von Deck aus gesehen
waren die Tiere viel zu klein
Sie waren irritierte Umrisse am Rande der
See zwischen Schiff und Land
Ich wollte ihrem Blick begegnen mit ihnen
eine Pfeife rauchen einen Schwatz halten über das
Seehundleben und das Menschendasein
oder auch nur über das Wetter an diesem Tag
Durchs Fernrohr zitterte das Bild wie
Tee in einer dünnwandigen Tasse
Ich sehnte mich nach Nähe und Besonderheit
Der Seehund und ich das auserwählte
Menschenkind von dem er sich das
silberne Fell streicheln lässt und in dessen Armen
er seinen stromlinienförmigen Leib biegt und
dabei wohlig quiekt
Das Schiff dreht ab die Spur ein
weißschäumender Fuchsschwanz auf See
Der Seehund windet seine zweigeteilte
Hinterflosse ineinander klatscht mit seinen
Vorderflossen an den Körper lässt die Barthaare
erzittern und
bittet mich zu Wasser
Es gibt zwei neue Veröffentlichungen zu feiern:
Die KünstlerInnengruppe "Der Wald und der Sturm" hat nun eine Webpräsenz:
https://kunst-wald-sturm.jimdosite.com/
Hierzu einmal mehr eine Hommage an den Wald:
Lieber Wald
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Flut, Wachskreiden, Gouache und Kohlestift auf Leinwandpapier, 140 x 180 cm, Juli 2021 |
Bitte im Clip auf die Überschrift "Mit Bäumen Sprechen" klicken, dann erscheint das Set auf Soundcloud: Das Reh, Farn, Ich ging im Walde..., Schatten, Sternbild der Buche.
Texte, Gedichte, geschrieben 2020-2021, vorgetragen an den beiden Literarischen Nachmittagen im Skulpturengarten Rösrath, "Mit Bäumen Sprechen", Juni und August 2021.
Siehe auch "Schatten", voriges Posting.
Autor*innen, Vortragende bei den beiden Literarischen Nachmittagen: Irma Shiolashvili, Beatrix Rey, Andrea Karimé, Diana Ivanowa, Gudrun Hillmann, Max Kreide, Iris Schürmann-Mock, Monika Littau, Michael Domas, Adrienne Brehmer, Markus Bollen, Helli Hecht und Eva Wal.
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| Foto: Irma Shiolashvili |
"Das Summen der Wege" ist eine Compilation mit Sound aus einem waldigen und verwachsenen Gebiet vor meiner Tür. Die Aufnahme ist 7 Jahre her, als ich noch nicht lange im Bergischen lebte und die Umgebung intensiv mit allen Sinnen erkundete. Zeit, die Wege wieder einmal summen zu lassen.
Der zweite Literarische Nachmittag "Mit Bäumen Sprechen" fand am Sonntag, 22. August im Rösrather Skulpturengarten Brander Straße statt, und zwar entgegen vorhergesagten Gewittern und starkem Regen bei rundum friedlich-freundlichem Wetter.
Zehn Autorinnen und Autoren, darunter drei Überraschungsgäste, luden in ihren Texten und Liedern zu weltenumspannenden Reisen ein. Dichtende (Kinderbuch-) schriftstellerin Andrea Karimé zeigte, wie sich Gedichte (ihres noch unveröffentlichten neuen Bandes "Das schönste Zimmer in meinem Kopf") um jeweils ein Wort aus einer der 200 Sprachen Afrikas drehen können. Diana Ivanowa sang ein bulgarisches Lied, das den grünen Wald verehrt. Eine Hommage an Bäume von Hermann Hesse trug Beatrix Rey vor, gefolgt vom Anfang des Romans "Jakob der Lügner" von Jurek Becker, Letzteres als Beitrag gegen Rassismus und was die Bäume - oder besser gesagt deren Fehlen im Warschauer Ghetto - damit zu tun hatten. Adrienne Brehmer nahm uns mit auf einen "Spaziergang" durch den Regen und zum Brunnen am Ebertplatz in Köln, und Liedermacher Bernd Bobisch sang vom Gehen, Nachdenken, Fühlen, Spüren und Meditieren im Wald während des Lockdowns. Die Initiatorin des Skulplturengartens, Helli Hecht, trug ein Farngedicht auswendig vor. Mein Gedicht "Farn" antwortete darauf. Von mir kam weiterhin ein Trauergesang um eine Buchenfamilie, die zum Sternbild wird und eine apokalyptische Vision, "Schatten", um das Verhältnis von Mensch und Natur, hier vorgetragen von Michael Domas. In seinem eigenen prosaischen Text erfand er ein Szenario, in dem Bäume reine Fiktion sind. Ebenso fiktiv ließ Gudrun Hillmann den Rhododendron zum Olivenbaum werden und den Farn zum Tannenbaum. Zum Schluss führte uns Irma Shiolaschvili von den Bäumen zum Rhein, und dies am Teich im Skulpturengarten und zum Deutschen in georgischer Sprache mitsamt Schriftbild.
Mit herzlichem Dank an alle Vortragenden, Singenden, Zuhörenden und Fotografierenden!
Mit dabei: die Ziegenböcke Ingo und Uwe.
Idee, Organisation und Moderation der Literarischen Nachmittage im Skulpturengarten: Eva Wal.
Mitorganisation, Unterstützung: Helli Hecht.
Fotos: Markus Bollen, www.Panoramic-art.de
1. Literarischer Nachmittag: Posting vom Juni
Zum PUKA, meinem gefilzten Hasen-Wesen im Skulpturengarten: Posting vom Mai