Mittwoch, 26. August 2026

Märchen

 

Das gute Ende

 

In den Märchen meiner Kindheit

waren die reinen Herzen

Orten verbunden draußen vor den

Häusern Schlössern und Burgen der Welt.

 

Gutes und Böses spielte im Wald – dort lebte

das Schicksal in Fantasiegebilden sprechenden

Tieren Bäumen und Pflanzen.

 

Hier ist ein Ort wo Hibiskus blüht in

Weiß und Blau hier sprechen die

Hagebutten und der Fuchs übermittelt

Botschaften rennt über Hügel und durch

Täler vor der Nacht.

 

Die Vögel kreuzen den Ozean des

Himmels der sich luftig aus den grünen

Mulden hebt – steigt – in flüssigen Farben

leuchtet – veilchenblau mit rosa Wolkengefieder –

 

über dem Dunkel des Berges aus Wald.

 

Der steht erstarrt das Schicksal umklammernd –

eingeschlossen in ihm das Gedächtnis – niemand hier

draußen weiß was darinnen geschieht.

 

Die Märchenfiguren haben Brombeeren unter ihren

Zungen verschlossen – das reine Herz kullert durchs Holz –

 

Seine Reise muss eine Prüfung sein

Der Chor singt „Katharsis“ und rüstet ein

Schiff – doch das reine Herz nimmt nur die halbe Schale

einer Walnuss zu queren die rauheste See –

 

Es knackt und rauscht im Holz der Regen trommelt aufs

Blätterdach Pfoten werden geputzt unter Kaskaden herab-

tropfender Perlen und Kleider wäscht man rein.

 

Hier muss eine Oase sein mit einer

Sonne aus Weisheit die wärmt mitten im

eisigen Winter – der steht dem reinen Herzen noch

bevor – die Dunkelheit aus getränktem Samt – der

Staub erhebt sich wie Asche – aus jedem Feuer kommt ein

Phönix und reicht seine Opfer in Form von gepresstem

Brot.

 

Das reine Herz muss das Haus verlassen die

Hütte das Schloss – barfuß zu jeder Jahreszeit - da

braucht es solches Brot – es geht ums Überleben die

Prüfung Erlösung – es lauern Gefahren und auch ein

Trunk tut Not sei er noch so bitter – Hauptsache es ist das

richtige Kraut die richtige Medizin.

 

Was passiert wenn das reine Herz das Märchen verlässt –

Brombeeren nur für Marmelade taugen und die Ranken der

Heckenschere zum Opfer fallen? Vögel bloß zwitschern und

Füchse nur da sind um Hühner zu morden?

 

Ich frage den Kolkraben – er scheint mir wissend – sagt es

spielt keine Rolle das Märchen lebt weiter und wie ein

reines Herz kann man es nicht töten und niemals ist es un-

sichtbar dort wo ich heute hingekommen bin.

 

Schließlich – so sagt der Rabe – geht jedes Märchen zumindest bis

zum Lebensende gut aus.

 

 


 

 

ORT 

 






 












Ein heftiger Wind aus Grün

Ein heftiger Regen, ein Rauschen und

Trommeln von Blättern an ihrem hölzernen Gestänge - 

als ob sie sich befreien wollten - bald kommt der Herbst und reißt sie davon.

 

Ich bin ein Menschenkind mit zwei wandernden Baumstämmen am Leib

mit weißer glatter Rindenhaut - der Herbst wird mich nach innen treiben - 

Ein Nest aus buntem Laub wird meine Träume hüten. 

 

Bauch an Bauch stehe ich mit Bäumen im Augenblick - rieche

warme bemooste Rinde - sauge das Alter der Ahnen - ihre Wärme - ein.

 

Der Sommer ist nocheinmal zurückgekehrt - zum Heizen reißen wir nun

die Fenster auf!