Den Mantel um den Leib ziehen und eine dicke Schnur darum wickeln.
In die Wolken schauen und die Zeit messen am Ziehen, Drängen, Türmen, Stehen
und Gehen der Formationen und ihren Verwandlungen.
Die Sonne grüßen und sich verneigen wie sie hindurchgeht als Strahl, Tuch , Schwert
oder über den Baumwipfeln steht als vibrierender Punkt.
Der Zeit so die Wünsche von den Lippen lesen, die letzten drei Wünsche sprechen.
Ausschau halten, Rückschau. Kopf und Füße entlang eines Lots ausrichten.
Mit nackten Füßen langsam über das Herbstgras gehen.
Niemals zwei passende Socken tragen.
Immer Papier dabei haben und die Besserwisser mit der Spitze des Bleistifts, den es
immer mitzuführen gilt, von der Klippe ihrer Besserwisserei stupsten. Ein Windstoß
mag dabei helfen.
Die Widersacher mit dem Stift durchbohren und ins Vergessen schicken, so sie nicht
zur Rechenschaft gezogen werden können.
Sich beim Anblick von Blumen und hungrigen Katzen erweichen lassen.
Fremdbestimmung unbedingt ablehnen. Eine Brille tragen, um das Kleingedruckte in
den Herzen zu entziffern.
Die Wahrheit in der Manteltasche mitführen, in Worte portioniert.
Denselben Respekt zeigen vor Fruchtfliege Weberspinne, Rabe und Baum.
Das große Ganze im Kleinen und das Detail in der Ganzheit erkennen.
Mit geschlossenen Liedern liegen und Sterne regnen lassen.
Die Adleraugen rechtzeitig öffnen und sich herniederstürzen aus der Luft; sich üben
in Technik, Fokus und Präzision.
Fünf, sieben, neune gerade sein lassen.
Musik machen, egal wann und wie.
Farbe versprühen und einen Kreis mit Tusche malen.
Täglich einen Baum zeichnen und seiner Erzählung zuhören.
Mit dem Mond ein Lied singen, ein Gebet sprechen.
Den Deinen so viel Arme voller Liebe bringen wie gewünscht, damit das Wünschen
nicht verloren geht mit der Liebe.
Gut schlafen und gut essen.
Den Vögeln zuhören, dem Gras und den Wolken lauschen.
Sich bedanken.
Opfern.
Schenken.
Die Hände öffnen, den Mund und die Augen; langsam wieder schließen.
Die Füße in die Handflächen nehmen und die Zehen küssen.
Eine Heimat im Wald finden bei einer Baumfamilie.
Das Moos an der Rinde atmen und mit den Wurzeln gehen.
Die Wunden mit Klee und Steinen bedecken, Narben einreiben mit Asche.
Warten.
Weitergehen.Immer wieder in den Himmel schauen, Entdeckerin sein.
Zur Ruhe kommen.
Rhythmus finden.
Mantren singen.
Meditieren.
Gedichte auswendig lernen in einer anderen Sprache.
Der Traurigkeit einen Verband schenken aus Papier und Blütenblättern.
Niederschreiben, aufschreiben.
Dichten.
Träume trinken.
Vergessen.
Die Bitterkeit schlucken und ein großes Stückkuchen hinterheressen und mit Kakao
herunterspülen.
Hinausgehen und mit Freunden singen.
Dankbar sein.
Laut lachen.
Weinen.
Den Blick ruhen lassen.
Den Mantel öffnen und die Haut spüren mit Hand und Luft.
Die Fingernägel zu Erde werden lassen; Blumen darin pflanzen: Veilchen,
Stiefmütterchen, weiße Sterne und rosarote Planeten.
Ein Tier lieben mit Federn oder Fell. Es wartet im Jenseits auf dich.
Ein Bett bauen auf dem Hügel und warten, bis das Tier dich abholt und begleitet in
die Lüfte.
Den Bogen nehmen und Gambensaiten streichen.
Wiederum hören und lauschen.
Das Leben als Fragment betrachten.
Dort, wo das Feuer das Wasser und die Erde die Luft berührt, die Kanten
zusammennähen und die Säume betasten.
Die Säume auflösen.
Im Ende den Anfang sehen.
Noch einmal die Nähe und Wärme spüren von einem geliebten Leib: Hände, Lippen,
Wangen, ein pochendes Herz am Hals, ein Puls, der Zuneigung verrät, Kennen.
Einen Samen zwischen zwei Fingern halten, ein Korn.
Die Materie verlassen, in den Kreislauf Übergehen.
Ding sein, Molekül, Quantenteilchen, Mü.
Nichts sein und alles.
Sprechen.
Sagen.
Schweigen.
Lächeln.
Ruhe vor dem Sturm
(c) VG Bild, Eva Wal
