Mittwoch, 17. März 2021
Märzgedicht
Dienstag, 2. März 2021
Was eine Gießkanne mit Freiheit zu tun hat
Es ist März, und die Schneeglöckchen haben sich aus der Erde gewühlt.
Heute war für mich ein richtiger Schneeglöckchen-Badetag, oder ein Snowdrop-, "Schneetropfen" -day.
Wir erwarten den Frühling und hoffen auf das Ende der Pandemie.
Öffnungen, Freiheiten, Freude, wieder miteinander!
Die ersten Corona-Lockerungen gab es ja bereits.
Sonntag, 21. Februar 2021
Geläute
Der Künstler trägt die Zeit nicht, zwischen zwei Deckel gelegt, bei sich an einer Kette; er richtet sich nach dem Zeiger des Universums, weiß darum immer, was die Urkuckucksuhr geschlagen.
Montag, 25. Januar 2021
Mirror of Language
mirrored mirrorwriting, (c) Eva Wal
Der Mond hängt im Himmel
wie eine fleischfressende Pflanze
Grün, gefräßig und gelb
Ob nur für heute Nacht oder für alle Zeit:
Er ist ein grausam gewaltig zartes Blatt
aus mimosenhaftem Grün
Er hängt da für die Liebe
und sonst nichts.
Under The Bell Jar, Hommage to Sylvia Plath
insomnia
Donnerstag, 14. Januar 2021
Montag, 4. Januar 2021
Dämmerung - Dusk and Dawn
Wenn der Abend fällt
ziehe ich meinen Pelz aus
und bekleide mich mit Federn.
Freitag, 1. Januar 2021
Dienstag, 29. Dezember 2020
Farn
Farn
Auf dem Feld: Blätter aus Pappe, Karton und altem Leder.
Erster Raureif, fahles Birkenlaub, Aschefarne.
Ich schreibe nicht mehr, treibe nicht mehr, arbeite.
Die Zeit ein Sieb.
In diesem Jahr ist das Gras hochgewachsen.
Wenn wir Abschied nehmen, wird die Trauer über unser Fehlen
und unsere Täuschungen aufsteigen wie Frühnebel.
Wir rollen uns ein und weinen nicht mehr.
Wir gehen in die Erde, umschlungen wie
Monde mit Lianenarmen.
Wir treten ein und steigen auf.
Eines Tages sind wir Moleküle, Sterne,
Gras, Schädel, Staub.
Sind wir Teil des Meeres und ein Feuer am Himmel.
Heute rolle ich mich ein mit Zacken
auf der Haut, der Winterhaut.
Mittwoch, 23. Dezember 2020
Samstag, 12. Dezember 2020
Frostmond und Morgenvögel
Ein einzelner Vogel sitzt auf der Spitze eines Baumes. Äste und Zweige Zeichensprache.
Fenster auf: Vögel über dem Hügel, in die Luft geworfen,
feingepunktet wie Mohnkörner, sirrend in Nebelgischt, zerstäubtem Glas. Vögel unsichtbar in den Bäumen und Wipfeln überall im und um das Dorf, das Haus, das Land, die Welt. Unbekannte Vögel und Vogelarten, ihr seid meine Stimme, mein Rauschen!
Freitag, 4. Dezember 2020
Sonntag, 8. November 2020
meer
heute ist ein vogeltag
ein wolkentag
ein wegetag
ich schlängel mich hindurch
oben: vögel enthüllen ihr licht
unten: schalen voll schaum und salz
ich sitze im rauschen und in mir ist es still
kein gedicht keine geheimnisse
meer.
Montag, 2. November 2020
#SangUndKlanglos
Seit heute gilt der "Lockdown light", der vor allem die Kultur und die Gastronomie sowie Sport- und Fitnesseinrichtungen trifft.
Für mich persönlich wird sich nicht viel ändern. Glück gehabt!
Zwar habe auch ich Ausfälle und fast das komplette Brachliegen meiner freiberuflichen Workshops zu beklagen und als nicht mehr Soloselbständige keinen Anspruch auf Kompensation, auch wenn das Einkommen dann nicht reicht - es reicht ja eben doch. Wie viele bin ich bereit, mich einzuschränken, zu verzichten, weniger zu konsumieren und zu reisen. Doch gibt es diese Bereitschaft zum Verzicht auch bei denen, die nicht sowieso schon bescheiden leben und sich unseres allgemeinen Wohlstands hierzulande bewußt sind? Zum Beispiel bei jenen, denen kein Cent ihres Gehalts wegbricht, während andere ihre Jobs und Aufträge und irgendwann auch ihre Kundschaft und Moral verlieren?
Kein Gejammer hier, es geht ums Ganze. Um Existenzen und die Kultur. Schwer vorzustellen, dass sie sich von einem solchen Schlag noch erholen kann, abgesehen davon, dass wir ja noch gar nicht wissen, wie es weitergeht nach dem November, für den die Maßnahmen erst einmal gelten. Viele meiner Kollegen und Kolleginnen landen spätestens jetzt bei Hartz 4 und werden da bleiben. Peng. Das hat nicht nur mit Geld zu tun, sondern mit der ideellen Lebensgrundlage. Das eigene Leben zu gestalten mit dem, wofür man sich berufen fühlt. Viele kleine Existenzen verlieren jetzt das, was sie sich aufgebaut haben.
Dass Mittel zur Verfügung gestellt werden, ist die eine Sache, die andere ist, dauerhaft davon abhängig gemacht zu werden. Die Kreativen legen nicht die Hände in den Schoß, und viele sind das Improvisieren gewohnt - aber wie lange reichen die Ideen und die Motivation? Wie weit können Online-Angebote überbrücken? Alles, was hilft, macht Mut. Gut, dann fangen wir eben von vorne an oder machen woanders weiter. Doch: musste dieser Lockdown wirklich so pauschal die ganze Kultur, Gastronomie und Sporteinrichtungen treffen? Als Spaß-Branche etikettiert, in einen Sack gepackt und zugeschnürt, um die Schulen offen zu halten? Das ist keine Logik, sondern blanker Hohn und riecht nach Bauernopfer.
Bei allem Verständnis für Einschränkungen kann ich nicht nachvollziehen, warum der Verzicht auf einen Besuch in einem Museum oder Konzertsaal mit beispielhaftem Hygienekonzept und guter Lüftungsanlage die Welle brechen können soll, überfüllte Busse aber hinzunehmen sind. Warum man nicht in einem Café unter Befolgung der Regeln und angebrachten Restriktionen sitzen kann, sich aber bei Ikea oder Saturn auf den Füßen stehen darf.
Im Sommer war ich auf Lesungen, Konzerten mit strengsten Hygiene-Auflagen. Es war wie Balsam nach dem ersten Lockdown. Mir wurde so sehr bewußt, wie kostbar und nährend die erlebte Kultur ist. Das Teilen von Sprache und Klang oder dem gemeinsamen oder auch einsamen Betrachten von Bildern. Essentiell!
Andrerseits waren auch die Online-Treffen, Workshops und Lesungen eine Bereicherung und oft auch eine Möglichkeit, gerade mit Freund*innen und Kolleg*innen im Ausland im Austausch zu bleiben und ihn sogar zu intensivieren. Doch das eine kann das andere nicht ersetzen, zumindest nicht langfristig.
Im September fanden die offenen Ateliers in der Bonner Altstadt ebenfalls unter strengsten Auflagen statt. Hunderte von Menschen kamen und standen geduldig Schlange. Unter den Besucher*innen war keine einzige Person, die sich nur ansatzweise nicht daran gehalten hätte.
Und jetzt dieser Tiefschlag!
Mir persönlich fällt es im Moment schwer, daran zu glauben, dass wir mit diesen Maßnahmen aus der Krise kommen. Ist es pessimistisch, zu glauben, dass nicht nur die Infektionen, sondern auch die Kollateralschäden durch die Decke gehen werden? Ich glaube an das verantwortungsvolle Verhalten einer/ eines jeden. Doch wird das durch diese Maßnahmen befördert?
Ich fühle mich hilflos und spüre Wut in mir aufsteigen. Doch ich möchte die Moral behalten und sagen: Kopf hoch und weiter machen. Schreiben, malen, Yoga machen. Meditieren, Bewegung an der frischen Luft, gutes Essen und nicht zu viel Schokolade. Kontakte halten, über Telefon, Chats und per Post. Das ist mein Weg. Das geht alles, und dafür bin ich dankbar!
Ich möchte aber auch kämpfen und Mitgefühl, Solidarität äußern. Vor allem sind wir nicht alleine auf der Welt. Weiterhin wandelt sich das Klima, ertrinken Flüchtlinge da draußen auf den Meeren, verhungern Menschen, sterben durch Gewalt und nicht zuletzt an den Folgen von Ungerechtigkeit, Macht-, Habgier und Vergessen.
"Um unserem Unmut über den Umgang mit Kunst und Kultur Ausdruck zu verleihen, werden wir am Montag, den 02.11.2020 um 20 Uhr Videos, Livestreams und Beiträge unter dem Hashtag #SangUndKlanglos auf allen verfügbaren Medien veröffentlichen, die individuell dargestellt Stille zeigen. Von den großen Kulturinstitutionen bis zum einzelnen Künstler sind alle herzlich eingeladen, daran teilzunehmen.
Wir, die Münchner Philharmoniker, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die Bayrische Staatsoper und viele andere Orchester werden beispielsweise zum Konzert auftreten, aber nichts spielen. Und nach ca. 20 Minuten Stille wieder abtreten.
Seid gerne kreativ. Ob Livestream aus dem Proberaum, Wohnzimmer… oder nur ein Stillleben (Notenständer, Staffelei, Ballettschuhe…..)."
Sonntag, 1. November 2020
Das rote Haus
Ein Horizont umkreist die Welt, steht unberührt und unverrückt. Ich klettere entlang der Tropfen, das singende Grau umhüllt mich wie luzide Federn. Im roten Haus bellen meine Träume. Die leeren Räume bereit für uns, dich und mich zu umfassen, zu halten. Ich teile die Zimmer auf: Du unten, mit Werkstatt dazu, ich oben im Dach, mit der Vogelaussicht; hell und kühl, Farben, Pinsel, Papier und Tinte. Unten Holzfeuer und Dämmerlicht. Ein Bett in jedem Stockwerk und draußen ein Norweger Pferd im Stall, das durch die Dünen und Hagebutten trabt. Rote Lampen im Wächtergras; mal schneidend, mal mild streifen uns die Halme. Der Weg führt an den gekrümmten Hecken vorbei vom Haus zum Meer. Ich kann Ebbe und Flut nicht unterscheiden, nicht Tag und Nacht, meine Handschrift nicht von den Spuren des Winds auf dem Sand. Wir werden kaum Besuch haben, denn hier ist nichts, heißt es, aber das ist mir gerade recht. Der Wind ist ein Wolf, der ums Haus streicht, ein Lamm, das den Wolf schlafen legt. Die Sonne wärmt vom anderen Ende der Welt. Ich umarme die ganze Welt und dich, bleibe gerne hier, an welchem Pol auch immer. Mein Fell ist dicht gewachsen, die Haut dünn, die Zähne elfenbeingelb; klackernd, mahlend bewachen sie meine Zunge, wie sie Wellen in den Sand malt. Dort steht das rote Haus, und das Pferd trabt vom Meer über den Weg nach Hause.
Zum Novemberbeginn
Dänemark, Jütland, Herbst 2020
Freitag, 16. Oktober 2020
Begegnung
Im hellen Galopp rasten brennende Pferde durch das Meer in meinem Traum.
Der Traum ist ein Reh. Ich war ihm angekündigt, ein Menschenskind mit offener Fontäne, doch der Rest einer Furcht hieß es, hinter einem Baum hervorzuschauen, bevor es seine Schnauze, ein kreisrundes Kissen, in meinen Bauch steckte. Die Augen drangen in meine Schultern wie Kugeln. Blütenmoleküle fielen aus dem Mark der Bäume ringsum. Das Rieseln war ein Wispern, das sich mit Gesang vermählte: die Wiesenblumen, die Grasspitzen, Flügel, die Luft pflügend. Die Erde, unter das Gras gezwungen, stöhnte tief. Und dort, im großen Blau, warst DU!
Ich rief nach Dir und warf Brombeeren in Deinen Mund. Erlöst warst Du in der Offenheit des Himmels, frei Deine gebrochenen Augen in Strahlen, Schneeglänzen.
Ich winkte und rief, mein eigener Geist in kindlicher Aufregung in diesem neuen Land. Noch oft werde ich hin und hergehen, Türen öffnen und schließen, sie klappern hören und versuchen, die Ströme in meinem Atem zu beruhigen. Die Turbulenzen, die aus meiner Fontäne schießen, wirbelnde Bänder.
Wir werden Gebirge aus Blumen bauen und darin eine Rast finden für die Gedanken an Dich. So ist es eben, die Hülle versenken wir, die Seele geht mit dem Wind oder mit dem Fluss. Wir bleiben hier, in unsere Körper genäht, vorläufig, endlich, die Füße auf Gras.
Donnerstag, 15. Oktober 2020
Wolke
Ich mag so gerne Wolken leiden;
das ist die albernste von meinen Gaben,
und, von Natur aus unbescheiden,
muss ich, was mir gefällt, gleich haben.
Ich pflückt mir eine Wolke ab,
trug sie in beiden Händen
behutsam und sehr sanft herab,
um sie im Garten zu verwenden.
Ich konnte sie vom Liegestuhl aus sehn,
und meine Frau begoss sie oft und gerne.
Doch war sie lange nicht so schön
wie vorher aus der Ferne.
Der Himmel beugt sich schließlich nieder
mit seiner ganzen Last
und holt sich seine Wolke wieder.
Da schämte ich mich - fast.
Gedicht von meinem Vater, Rolf Göhring, August 1934 - Juli 2020



















































