Donnerstag, 1. Oktober 2026

Erster Oktober

 

 Nun regnet es; ein kontinuierliches Rauschen und Strömen, das Tränken und Trinken der Bäume und Wiesen. Die Dorfwiese ist ein wogendes Gewässer, eine rauschende See mit Wellen aus grün-braunroten Pinselstrichen und weiß gedeckten Spitzen.

 Der Spatz, der sich auf der Fensterbank mit Futter versorgt, könnte in meine Hand passen. Das Eichhörnchen, zurückgekehrt nach der großen, langen Hitze, klettert behände von der Dorfbank in die Fichte, verschwindet im Laub des Nussbaums und in der dichten Hecke.

 Ich sitze in meinem Dach im Fachwerkhaus, nachts schaut der Mond hinein, trinke Tee und lausche dem Regen, der durch Rohre gluckert und auf Fässer klopft, lenke meine Gedanken, die immer dasselbe Brot kauen, auf andere Bahnen mit Lektüre von Gedichten und Kurzgeschichten… Es ist gemütlich und im Haus noch nicht zu kühl. Der Kachelofen wartet auf Holz, Feuerfutter im Herbst.

 Das rhythmische Zwitschern und Rufen der Vögel aus der Regenkulisse klingt so frisch, als hätten sie mit Regenwasser gegurgelt, ihre Kehlen gespült.

 Wasser! Verschwenderisches Wasser von oben, wo sich die Wolken, endlich einig, verschworen haben zu einer dichten Decke, um abzuregnen.

 Am Abend lässt sich der Spatz sich in meinem Handteller nieder, um zu schlafen. Sanft schließe ich meine Finger um sein Gefieder und singe ihm ein Lied.