Montag, 19. Oktober 2026

Sommerwasser und Winterschafe

 

Ich kam auf dem

sommerwasser mit dem

hummmelbrummenden

summen in meinem herzen die fensterflügel standen weit

offen ein warmer wind wehte hinein

Ich nahm den sommer mit wie einen arm voller heu für winterschafe

am ofen mit dem knisternden feuer denke ich an die milde der

schatten welche die bäume in der großen hitze spendeten

Nun werden beeren zu nüssen blüten zu früchten

das gelb der trockenheit weicht den herbstfarben

die schafe tragen blätter auf den nassen hörnern

zur dekoration

 

Das leben wurde ein

janusköpfiges

ding ein wesen aus malader materie

und den wachsenden flügeln des geistes

der fantasie

Immer wieder brach die materie zusammen

über dem geist immer wieder schüttelten sich

die flügel den staub aus den federn

erhoben sich mit dem körper in ihrer mitte

Unten auf dem weg glänzen feuchte eicheln zwischen

den ungeschliffenen diamanten die von meiner zunge glitten

und herabgefallen waren

schneller präziser als das fallende laub

nicht rauschend sondern klirrend wie

die sterne am kalten firmament

der kompass

 


 (c) Eva Wal, VG Kunst



Freitag, 9. Oktober 2026

Herbst

 

Der nahende Herbst trägt ein warmes Fell ein

ganz eigener Glanz eingewebt darin – kühler

Wind weht um sein Haupt die knorrige Krone

Im Gebüsch schlagen Hagebuttenköpfe aneinander

Einzelne Pusteblumen – Relikte des Sommers – halten

ihre Schirmchen festgekrallt – Holunder und Brombeeren –

der Ernte entkommen – hängen auf dunkle Punkte

zusammengezogen schmerzhaft an ihr grün-rotes Gestänge

geschweißt.

Der Winter ist nicht in Sicht aber wir sind umzingelt von Hügeln

höher und flacher – wer weiß schon was da kommt…

Zum Abschied springt das Laub in Farbe dagegen stehen die

toten Stämme der Fichten und Lärchen aufrecht und kahl wie Pfähle

Gelassen bleibe ich ein Stamm mit unruhigem Mark und schuppiger

Rinde mit moosigem Mund – wenn der Wind rauscht und durch die

Stämme pfeift meine ich es sei das Meer – Da höre ich Hufe klappern

Ein Pferd und die Stimme einer Reiterin nahen gemächlich gehen sie

ihren Weg das Pferd will am Ende duftenden Hafer finden

Doch ich verlasse mein angestammtes Holz um mich auf

seinen Rücken zu schwingen – die Reiterin bläst es fort denn

ich bin die Windsbraut und rufe die apokalyptischen Jahreszeiten-Pferde!

 

 


 Foto von Franz Heinbach,

im Rahmen seines Projekts "Ein ganzer Tag"

www.fh-fotos.de 

 

Während Franz das Foto von mir an meinem Schreibplatz machte,

entstand ein automatischer Text: 

 

Fuchs und Reh aus meinem Bauch/ an allen Stellen wartet etwas/  ein See eine

Blume/ mit der Flosse einer Seelilie geschuppt/ leuchtend fluorgrün mit einem Halo//

Das ist eine Szenerie wie aus dem Buche/ so steht es geschrieben/ So sehe ich die

Welt und neben mir kann ich schon nichts mehr erkennen im Dunst der Stunde//

Wie geht der Tag/ dieser Weg/ wie geht es weiter? Wo ist Ruhe? Freude? Ich

spüre den Wind zum Meer/ ein Gedicht in einer Muschel/ Fuchs und Reh sind zu

einer Wolkenformation transformiert.

 

 

 

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Erster Oktober

 

 Nun regnet es; ein kontinuierliches Rauschen und Strömen, das Tränken und Trinken der Bäume und Wiesen. Die Dorfwiese ist ein wogendes Gewässer, eine rauschende See mit Wellen aus grün-braunroten Pinselstrichen und weiß gedeckten Spitzen.

 Der Spatz, der sich auf der Fensterbank mit Futter versorgt, könnte in meine Hand passen. Das Eichhörnchen, zurückgekehrt nach der großen, langen Hitze, klettert behände von der Dorfbank in die Fichte, verschwindet im Laub des Nussbaums und in der dichten Hecke.

 Ich sitze in meinem Dach im Fachwerkhaus, nachts schaut der Mond hinein, trinke Tee und lausche dem Regen, der durch Rohre gluckert und auf Fässer klopft, lenke meine Gedanken, die immer dasselbe Brot kauen, auf andere Bahnen mit Lektüre von Gedichten und Kurzgeschichten… Es ist gemütlich und im Haus noch nicht zu kühl. Der Kachelofen wartet auf Holz, Feuerfutter im Herbst.

 Das rhythmische Zwitschern und Rufen der Vögel aus der Regenkulisse klingt so frisch, als hätten sie mit Regenwasser gegurgelt, ihre Kehlen gespült.

 Wasser! Verschwenderisches Wasser von oben, wo sich die Wolken, endlich einig, verschworen haben zu einer dichten Decke, um abzuregnen.

 Am Abend lässt sich der Spatz sich in meinem Handteller nieder, um zu schlafen. Sanft schließe ich meine Finger um sein Gefieder und singe ihm ein Lied.