Das gute Ende
In den Märchen meiner Kindheit
waren die reinen Herzen
Orten verbunden draußen vor den
Häusern Schlössern und Burgen der Welt.
Gutes und Böses spielte im Wald – dort lebte
das Schicksal in Fantasiegebilden sprechenden
Tieren Bäumen und Pflanzen.
Hier ist ein Ort wo Hibiskus blüht in
Weiß und Blau hier sprechen die
Hagebutten und der Fuchs übermittelt
Botschaften rennt über Hügel und durch
Täler vor der Nacht.
Die Vögel kreuzen den Ozean des
Himmels der sich luftig aus den grünen
Mulden hebt – steigt – in flüssigen Farben
leuchtet – veilchenblau mit rosa Wolkengefieder –
über dem Dunkel des Berges aus Wald.
Der steht erstarrt das Schicksal umklammernd –
eingeschlossen in ihm das Gedächtnis – niemand hier
draußen weiß was darinnen geschieht.
Die Märchenfiguren haben Brombeeren unter ihren
Zungen verschlossen – das reine Herz kullert durchs Holz –
Seine Reise muss eine Prüfung sein
Der Chor singt „Katharsis“ und rüstet ein
Schiff – doch das reine Herz nimmt nur die halbe Schale
einer Walnuss zu queren die rauheste See –
Es knackt und rauscht im Holz der Regen trommelt aufs
Blätterdach Pfoten werden geputzt unter Kaskaden herab-
tropfender Perlen und Kleider wäscht man rein.
Hier muss eine Oase sein mit einer
Sonne aus Weisheit die wärmt mitten im
eisigen Winter – der steht dem reinen Herzen noch
bevor – die Dunkelheit aus getränktem Samt – der
Staub erhebt sich wie Asche – aus jedem Feuer kommt ein
Phönix und reicht seine Opfer in Form von gepresstem
Brot.
Das reine Herz muss das Haus verlassen die
Hütte das Schloss – barfuß zu jeder Jahreszeit - da
braucht es solches Brot – es geht ums Überleben die
Prüfung Erlösung – es lauern Gefahren und auch ein
Trunk tut Not sei er noch so bitter – Hauptsache es ist das
richtige Kraut die richtige Medizin.
Was passiert wenn das reine Herz das Märchen verlässt –
Brombeeren nur für Marmelade taugen und die Ranken der
Heckenschere zum Opfer fallen? Vögel bloß zwitschern und
Füchse nur da sind um Hühner zu morden?
Ich frage den Kolkraben – er scheint mir wissend – sagt es
spielt keine Rolle das Märchen lebt weiter und wie ein
reines Herz kann man es nicht töten und niemals ist es un-
sichtbar dort wo ich heute hingekommen bin.
Schließlich – so sagt der Rabe – geht jedes Märchen zumindest bis
zum Lebensende gut aus.
ORT
Ein heftiger Wind aus Grün
Ein heftiger Regen, ein Rauschen und
Trommeln von Blättern an ihrem hölzernen Gestänge -
als ob sie sich befreien wollten - bald kommt der Herbst und reißt sie davon.
Ich bin ein Menschenkind mit zwei wandernden Baumstämmen am Leib
mit weißer glatter Rindenhaut - der Herbst wird mich nach innen treiben -
Ein Nest aus buntem Laub wird meine Träume hüten.
Bauch an Bauch stehe ich mit Bäumen im Augenblick - rieche
warme bemooste Rinde - sauge das Alter der Ahnen - ihre Wärme - ein.
Der Sommer ist nocheinmal zurückgekehrt - zum Heizen reißen wir nun
die Fenster auf!
















































