Samstag, 14. März 2020

Schaukel




 Schaukel


Meine Füße schweben über dem Gras
wie über dem Land eines Kontinents

Ein Kingfischer flitzt vorbei
kreuzt das Sandgebiet da unten
in seinem leuchtenden Gewand

Ich schaue in den Wellentanz
Folge dem Gleiten der Boote
durch die Furchen des Wassers

Sie ziehen vorüber
Ein Zug von Tieren am Abend

Ein rotes Auge
verfärbt die Elemente

Adler und Fledermaus steigen auf

Sehen herab zu mir
von da oben im Mond
über dem Palmendach

Mein Kopf ist eine Kokusnuss
Das Haar fliegt
in Auflösung begriffen

Meine Füße schweben über dem Gras
wie über dem Land eines Kontinents.







Donnerstag, 20. Februar 2020

Kovalam Beach




fischer

das netz ist ausgeworfen
und wieder eingeholt

lallendes geschrei
nachahmung der natur

das leben quirlt aus
zusammengezurrtem garn
 tropfen
sprudeln springen spritzen
fische
ersticken
vergeudete kreatur

ich warte auf den fang
das wort






es geschieht nicht mehr als dies


in der ersten morgenstunde
schaukeln die krähen auf den palmentellern
grau, anthrazit, eben noch schwarz

die luft ist erfüllt vom schnarren pfeifen
rasseln der tiere unsichtbar die meisten doch
geschäftig und flink verpassen sie
keinen moment ihrer lebenszeit
zu nutzen

hinter reihen bunt bemalten betons
tost das meer

hallaleio
der tag beginnt so

ein gecko verschwindet
mit meinen träumen
an den saugnäpfenden der
 schweiß nächtlicher laken

kissen schütteln sich
häuser stöhnen:
noch ein tag!

salz in den poren der steine
porös wie alles hier
überquellend
das öde leben
schwappt und klebt

jeden tag hängt sich ein jeder ein stück weiter
an der wäscheleine zwischen anfang und ende

ich füttere eine krähe mit einer cashewnuss
habe sie zur freundin erklärt
vielleicht ist sie mein karma

auf geht’s durch die gassen
an den strand zu
chai tea food

hallaleio
der tag kommt so

die menschen
mit palmenblättern bepackt
fischernetze schleppend nach muscheln
tauchend hinter nähmaschinen ratternd
müßiggehend handelnd
bettelnd gaffend verendend
den hunden oder göttern nah

der morgen gehört den fischern
verkäufern flughunden touristen
selfie-shootern in der brandung die
boote kommen
und gehen schlafen

hallaleio hallaleio
der tag ist so

am mittag sticht die
sonne die hitze drückt
in der schwüle
ringen müll abgas lärm mit
papaya zimt und pippali pfeffer
um gleichgewicht

kerzen schmelzen in den strahlen
einer göttin hinterm horizont
lächelnd
eine von vielen
grinsend mit den augen
rollend vielarmig beschäftigt
angebetet in schwaden von sandelrauch
ketten von jasmin und zimbelschlag

aus dem staub an den straßen
erhebt sich wurzelwuchernd
der banyan tree
tempel und baum
von menschen geschmückt
beladen mit wünschen
und hoffnung wächst er bleibt
erde stamm blatt himmel
ein OM aus seinem schoß
die geister ruhen nie

hallaleio hallaleio
der tag vergeht so

der späte nachmittag bringt
aufgetürmte wolken
fäuste im himmel
von blitzen
durchzuckt
polternde drohungen
leer wie die netze
und das meer

bevor die dunkelheit fällt
prasselt der regen
los und der wind
pustet fort das

hallaleio hallaleilo
der tag war so

hallaleio

hallaleio








eine seidenraupe webt sich mir entgegen
ich fingere nach dem faden
spiel zwischen zeichen und maschen




Gedichte, Skizzenbuch, Fragmente und Fotos, Kovalam Beach, Kerala, Südindien, Oktober 2019


Dienstag, 28. Januar 2020

Das Jahr der Ratte


Goauche auf Papier, ca 190 x 150 cm, Januar 2020

Das chinesische Jahr der Metall-Ratte, vom 25. Januar 2020 bis 11. Februar 2021



Die Ratten auf dem Bild sind aber eher Zufall. Ich war fasziniert von den beiden Ratten, Kiki und Donna, die mein Neffe Beat besitzt. So sind sie in mein Bild gewuselt und haben sich dort niedergelassen, um an einer Verwandlung teilzunehmen und dabei noch vielen anderen Wesen zu begegnen.




Zu Besuch in Hamburg, 1. Januar 2020


Selfies mit meinen Bildwesen







Sonntag, 5. Januar 2020

Ufer




Bevor wir zu neuen Ufern aufbrechen, reise ich noch einmal und wahrscheinlich noch viele Male zu einem anderen Ufer, meinem warmen Pol am andere Ende der Welt.

Wetter, Klima, Fischer. Touristen, indische und europäische, Händler. Ein einfaches, für den Moment sorgloses Leben, eingehüllt in Monotonie, aus der hier und da eine Poesie des Augenblicks fällt, angeflogen kommt, mich wieder verlässt.
Krähen, Palmen, Ozean, Hitze. Die Elemente, wie sie sich an diesem Ufer zeigen, mit dem Rauschen der Arabischen See, dem Schnarren, Krähen, Rollen der tropischen Fauna und der Keralischen Sprache Malayalam im Ohr, werde ich noch lange in mir spüren wie eine ölige Schicht. Es ist diese Schicht, von der ich zehre, die mich nährt, während die äußere Schicht aus Schweiß und ayurvedischen Ölen schon lange eingezogen und abgewaschen ist.
Was bleibt? Was vermischt sich, integriert sich in die neue Reise 2020?
Was kann ich ändern? Was geben in eine Welt hinein, die von menschenverursachten Katastrophen wie dem wohl unrettbar veränderten Klima bestimmt wird? Der Wahnsinn einzelner Mächtiger droht die Welt zugrunde zu richten. Doch es werden wieder diejenigen am meisten leiden, die am wenigsten dafür können, insbesondere Kinder.
Kinder, denen die Zukunft gehört.

Möge es für alle Menschen auf der Flucht vor Zerstörung ihres Lebensraumes, ihrer Familien, ihres eigenen Lebens, rettende und freundlichere Ufer geben!

Den Blick auf die Kinder richtet der jährlich ausgerichtete UNICEF Fotowettbewerb.
Einige Fotografien sind derzeit in der Ausstellung "Die vier Elemente" in der Kunstkammer Rau des Arp Museums in Rolandseck zu sehen, wo sie in Verbindung treten mit alten Gemälden aus der Sammlung Rau für unicef.
In meinem letzten Schreibworkshop am Arp Museum, nur einige Tage vor Jahreswechsel, haben wir uns mit dieser Ausstellung befasst, und nicht zum letzten Mal. Die Ausstellung wird am 25. April, dem zweiten Schreibtag am Arp Museum 2020, wieder Thema sein.



Termine und Informationen zu den Schreibtagen am Arp Museum siehe "projekte/ künstlerworkshops" auf diesem Blog.


 https://arpmuseum.org/ausstellungen/wechselausstellungen/aktuell/kunstkammer-rau-die-vier-elemente.html

https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/foto-des-jahres/infos-zum-wettbewerb

Helfen wir mit!

https://www.unicef.de/informieren/ueber-uns/unicef-einfach-erklaert


Und vergessen wir dennoch nicht, die Poesie einzulassen!




blau

kurz vor zwielicht spendet
der himmel kühle

krähen schaukeln auf augenhöhe
in den krallenfingern der bäume vor
meinem balkon
lauern auf beute noch bevor
die händler die bühne betreten mit
körben voller hoffnung.




gott

gott ist in krähen und quallen in
hunden und sardinen
seinwillegeschehe
der krähenquallenhundssardinengott
wohnt hier am horizont
ein paravent aus dunkelviolettem stoff
davorgezogen







Fotos: Kovalam Beach, Oktober 2019

Donnerstag, 19. Dezember 2019

Offenes Atelier in Hove



Außer den großformatigen Gouachebildern zu meinem Aufenthalt in Sanary und in Indien - siehe Posts auf diesem Blog im Oktober und Dezember - zeige ich Bücher, Unikate, Editionen, Schnitzkunst und Musikinstrumente, meine Wurzelboote* und Wortfarne, Collagen mit Fragmenten meiner Gedichte. Die Wurzelboote und Wortfarne waren ebenfalls in meiner Ausstellung im L'Atelier Des Artistes, Sanary, Frankreich, Côte d'Azur zu sehen. Zwei neue Collagen sind anläßlich des offenen Ateliers entstanden.


Wortfarne mit Fragmenten meiner Gedichte


 Wortfarn,  neue Collage: 44 x 63 cm,
Himalaya- und Seidenpapiere, Schrift


 Wortfarn, neue Collage: 49.5 x 61.5 cm, 
Himalaya- und Seidenpapiere, Schrift


Wortfarne, Collage: 77 x 51 cm, 
Himalaya- und Seidenpapiere, Schrift
 mit Gedichtfragmenten für meine
Einzelausstellung im L'Atelier Des Artistes, Sanary,
Frankreich, Côte d'Azur,
September 2019


* Die Wurzelboote entstanden Anfang 2017. Sie sind auf diesem Blog zu finden im Post März 2017
oder in Erweiterung zur Ausstellung in Sanary, Oktober 2019 

Mittwoch, 11. Dezember 2019

Finissage Wald und Sturm


Zur Finissage am 8. Dezember spielt Christine Burlon, Initiatorin des Projekts, auf ihrem Cello, ich trage Wald-Lyrik vor, Beatrix Rey liest Hermann Hesse und Sachtexte aus das "Geheime Leben der Bäume" von Peter Wohlleben sowie aus "Die unbewohnbare Erde" von Davis Wallace-Wells. Als Finale lässt Isabell Oestreich die Säge singen, während Veronika Moos ihre Installation rhythmisch-musikalisch um- und abbaut.








Fotos mit Dank an Markus Bollen (c)


Der Wald hinter meinen Augen


Es wächst mir ein Fell
unter der Baumstammhaut

Ich suche Gefährten
und finde schwebende Wurzeln

Silberstimmen aus Buchenstämmen
in die mein Name geritzt steht

Ich ruhe am Hals meines Pferdes
und lausche seinem Atem

Das Licht geht zwischen den Bäumen
Mein Geist mit mir
angstlos im Geäst der Wege

Der Wald hat Ein- und Ausgänge

Ich trage das Pferd den Berg hinauf
und hülle mich in seine schwarze Mähne

Eine Flut von Nüssen und Blättern
überschwemmt den Boden

Ich höre Klänge
im Takt des Waldfalls

Es spielt ein Orchester
Farnwächter Pilzesser Laubseher Waldrufer

Bekannte Stimmen
in einer neuen Sprache

Musik!



Aus der gleichnamigen Edition, 2013

Freitag, 6. Dezember 2019

Indien im Dezember


270 x 150 cm, Gouache auf Papier (c) Eva Wal, VG Bild

Nach einem Monat in Kerala, Südindien, spüre ich immer noch die Wärme und Fülle der Tropen, das überbordende Leben, eng umschlungen mit Tod und Verfall. Für mich, die ich den Segen einer Ayurveda-Behandlung erfahren habe, eine sinnliche und spirituelle Erfahrung und Nahrung für den Winter.