Samstag, 8. Mai 2021

PUKA

 

Ein Puka ist ein keltischer oder irischer Geist in wechselnder Tiergestalt, den Kobolden verwandt. Er kann zwar bösartig oder schelmisch sein, gilt jedoch als harmlos und wirkt auch als Schutzgeist.
Ein Feldhase hat erstaunliche Fähigkeiten: er ist schnell, bis zu 80 km pro Stunde kann er rennen, dabei Haken schlagen, seine Sicht umfasst beinahe 360 Grad.
Bei der Verdauung produziert dieser Vegetarier ein Vitamin, so dass ihm sein Kot als besondere Nahrung dient.
Das wundervolle Wesen des Hasen hat mich inspiriert, ebenfalls seine Symbolkraft. Der Hase taucht in verschiedenen Kulturen als Schöpfer und als Seher auf, er steht für Fruchtbarkeit, für Einfallsreichtum, Wendigkeit und Bewegung. Die Idee des Puka kam bei der Arbeit an diesem Werk, das nicht einen Feldhasen abbildet, sondern in eine ihm verwandte Hülle geschlüpft ist.
Ich habe diesem Kunstwesen „Energiekapseln“ einverleibt, die ihn zu einem energetisch aufgeladenen Puka, zu einem Welten-Wanderer und Boten machen, denn die Dinge in seinem Inneren kommen aus aller Welt und sind besonderen Plätzen in meinem Haus und Garten entnommen.

Die Reiseroute des Puka ist auf der Weltkarte unten zu sehen.

Dass ein Filz-Hase an Joseph Beuys erinnert, sowohl des Materials wegen als auch aufgrund der Aktion „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ (1965), ist nicht beabsichtigt, aber passend. Für Beuys stand der Hase für Bewegung und die Überwindung großer Entfernungen quer durch Eurasien, von Ost nach West, hin und her.
Dieser Hase braucht keine Bild-Erklärungen. Er sitzt in seiner Sasse im Rösrather Skulpturengarten Brander Straße, und wer weiß, was sich in diesem Frühling, Sommer und Herbst bis zum Saisonende am 3. Oktober zuträgt.








Der Besuch ist derzeit nur privat nach Vereinbarung möglich und Coronaregelkonform.













Mein Puka und ich :-)

Dienstag, 13. April 2021

Bäume Trees

 


Baum - Gouache auf Leinwandpapier, 1 x 1,40 Meter

March


I am walking with trees

        my feet entangled in foliage

cracking through early morning dew


I am talking in tree tongues

                my fountain wide open

        I shout and laugh while

                                    white blossom clouds

                        float and sink



Haze above the landing place

                    which is my bed - but


I am outside in the snowdropbath


stark naked I crawl

                into my delicate tree


brocade my dress and home

                    sky blue silk


snowbells tickle toes


I am walking in trees


where to

                        where to

                                                        where to?



Englische Version des Märzgedichts, s. Post vom März

Mittwoch, 17. März 2021

Märzgedicht


Ich gehe mit Bäumen

Seite an Seite aneinander-
                            geschmiegt

Meine Füße in Lianen
                    krachend durch
                                    den Morgentau

Auf meinem Kopf Kerzen
 ein vieldochtiger Vogel mit
                                brennender Krone

Ich lache und rufe
 weit offen die Fontäne

Der Himmel blau blau blau

Schneebälle
                        fallen

Blütenwolken
                                    schweben

Dunst über der Landestelle
 die mein Bett ist -

Ich aber bin draußen im
 Schneetropfenbad

Splitternackt krabble ich in
 meinen feinen Baum

Mein Kleid mein Heim Brokat

Schneeglöckchen kitzeln Baumsohlen

Ich gehe in meinem Baum

                        wohin

                                                wohin

                                                                        wohin?


Dienstag, 2. März 2021

Was eine Gießkanne mit Freiheit zu tun hat

Es ist März, und die Schneeglöckchen haben sich aus der Erde gewühlt.

Heute war für mich ein richtiger Schneeglöckchen-Badetag, oder ein Snowdrop-, "Schneetropfen" -day.




Wir erwarten den Frühling und hoffen auf das Ende der Pandemie. 

Öffnungen, Freiheiten, Freude, wieder miteinander!

Die ersten Corona-Lockerungen gab es ja bereits.


Die neue Freiheit

Heute höre ich doch auf dem Weg zur Arbeit, früh am Morgen im Radio all die neuen Corona-Lockerungen, zu denen auch die Öffnung von Gartenabteilungen in Baumärkten gehört. Wow!
Auf dem Nachhauseweg entschließe ich mich spontan, beim Baumarkt einzukehren und die neue Freiheit zu nutzen, um eine Gießkanne für den Garten zu kaufen, da meine alte im Frost geplatzt ist.
Haben sie einen Gewerbeschein?, fragt mich die am Eingang positionierte Mitarbeiterin des Baumarkts durch ihre FFP2 Maske hindurch. Nein, antworte ich durch meine FFP2 Maske, fröhlich, denn ich will ja nur in den Gartenbereich, der schon gleich vor mir mit Primeln, Stapeln von Blumenerde und Gartengeräten in allen Farben grüßt. Ja, die gelben, grünen, roten Gießkannen laden nicht weiter als einen Gießkannenwurf von mir entfernt zum Mitnehmen ein. So unkompliziert kann das Leben also wieder sein. All die roten Markierungen auf dem Boden, medizinische Masken vor Mündern und über Nasen nimmt man ja kaum mehr wahr. Heute ist der Frühling da, mit fast 18 Grad, an diesem besonderen Tag Ende Februar. Und wenn meine Gießkanne kaputt ist, gehe ich einfach in den Baumarkt und kaufe eine neue, und dabei kann ich auch gleich noch Blumenerde und Samen mitnehmen, wenn ich will, und jede Menge Frühlingsblumen.
Die Mitarbeiterin des Baumarkts zählt auf, was ich ohne Gewerbeschein im Gartencenter kaufen darf, nämlich Blumenerde, Pflanzen und Samen - aber keine Gartengeräte oder Zubehör.
Ich zeige auf die Plastikkannen, die mich in der Sonne anlachen, doch so ist die neue Verordnung. Gießkannen gibt’s nur mit Gewerbeschein oder online. Das heißt, ich kann die Gießkanne vor mir online bestellen und dann, erklärt mir die nette Dame, dauert es vier bis fünf Stunden, bis ich eine Antwort bekomme und mich in die Autoschlange dort drüben - sie zeigt in die entgegengesetzte Richtung - einreihen darf und warten, bis ich drankomme und ein Mitarbeiter des Baumarkts mir dann die bestellte Ware persönlich ans Auto bringt. Ich sehe die Autoschlange, Blech an Blech schlängelt sie sich glänzend über den Baumarkt-Parkplatz, das Ende nicht mehr in Sichtweite, dann schaue ich wieder in die andere Richtung, hier, direkt hinter den Primeln zu meinen bonbonfarbenen Objekten der Begierde… Doch Politik ist Politik, Verordnung ist Verordnung und zu meinen Grundrechten gehört es nicht, Gießkannen im Baumarkt ohne Gewerbeschein einfach so gegen Bezahlung mitzunehmen.
Nachdem ich eine Weile dastehe, mein Blick wie eine orientierungslose Murmel zwischen Primeln, Gießkannen und Blechschlange hin und her rollt, lache ich los. Ich lache schallend in meine Maske, doch anscheinend schützt sie meine Mitmenschen zwar vor Aerosolen und hoffentlich auch vor Viren, nicht aber vor der Ansteckungsgefahr durch Gelächter. Denn nun lacht auch die Mitarbeiterin des Baumarkts, so dass ihr die Maske ordnungswidrig von der Nase hüpft.
Wir wünschen uns einen schönen Tag. Kurz drauf feiere ich meine Freiheit dann doch noch, zusammen mit meinem Grundrecht auf Speiseeis und, ach, den schönen Frühlingstag am 23. Februar mit drei Kugeln, Salzkaramel, Eierflipp und Zitrone aus der Eisdiele. Einfach so.




Wo ich dieses Prachtexemplar einer Gießkanne dann erworben habe, ganz ohne Waffen- oder Gewerbeschein, bleibt streng geheim.
Erst einmal.




Sonntag, 21. Februar 2021

Geläute


Der Künstler trägt die Zeit nicht, zwischen zwei Deckel gelegt, bei sich an einer Kette; er richtet sich nach dem Zeiger des Universums, weiß darum immer, was die Urkuckucksuhr geschlagen.


Else Lasker-Schüler





In diesen besonderen Zeiten, im Griff eines "Lockdowns", an den wir uns mehr wohl oder mehr übel gewöhnt haben, genießen viele Menschen das Privileg, im Alltag so viel wie noch nie spazierengehen zu können - und tun dies auch. 

Nichts verändert die Zeit. Wir verändern uns in ihr und verändern unsere Umwelt. Die Wahrnehmung, die Empfindung ändern sich, und wir altern. Die Zeit aber fliegt dahin, alterslos durch Rhythmen und Zyklen, den Lauf der Dinge: Tage, Nächte, Jahre, Jahrhunderte, Jahrtausende. Stunden und Sterne, Wolken und Wetter. Das Wachsen und Schmelzen des Mondes, Sterben und Neubeginn. Der Schlag eines Zitronenfalterflügels über einem Grashalm. Wieder Frühling.

Auch ich gehöre zu den Spaziergängerinnen in diesem Januar und Februar, ganz unabhängig von der allgemeinen Situation. Zeit-Gedanken schweben mir zu auf meinen Wegen. Säuselnd durch die Baumstämme hindurch, vom Himmel taumelnd im Schneeflockengewirr. Auf den Wegen liegen sie gefroren, dann tauend. Sie krachen durch die Zweige und rascheln davon wie Eidechsen auf heißen, trockenen Winterplaneten. Da fand ich die Zeit schwindsüchtig, konfus; gesiebt, verstreut, verstrichen. Meinte sie diebisch wie eine Elster auf den Tannenzweigen zu ertappen. Dann strahlte sie gegossen in ein goldenes Geweih am Waldrand, stand und floh ins Dunkel. In Wind und im Wasser rauscht, raunt und gurgelt sie, die zeitlose Zeit, die doch immer fließt, sich erneuert in jedem Tropfen, und nie gleicht ein Tropfen dem nächsten.

Alles fließt, πάντα ῥεῖ, so sagte schon Heraklit: man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn der Fluss ist nicht derselbe, und ebenso ist der Mensch niemals derselbe im nächsten Moment ... ein ewiges Werden und Vergehen.






In einem Zettelkasten meines Vaters fand ich gesammelte Zitate, einige über die Zeit, hier zum Beispiel von Gottfried Keller, der er so sieht:



Ob gehend oder stehend, stampfend, rollend oder auf leisen Sohlen,
unsere Zeit wird symbolisch sichtbar durch einen Zeiger, hörbar durch Glockenschläge, und in der Musik gibt ein tickendes Pendel das Zeitmaß, den Takt, an. Innerhalb dieses Gleichmaßes bewegt und fließt die Musik.

In diesen Zeiten mussten wir in vielen Dingen ein paar Gänge zurückschalten, vom Presto oder Allegro zum Andante oder Largo.
Hier entspricht ein Pendelausschlag einer Sekunde: Tick-tack-tick-tack.
Doch was geschieht darinnen, in den Zwischenräumen, den Parallelwelten? 

Hier ein Largo aus meinem Archiv zum Pendel des Universums:




Montag, 25. Januar 2021

Mirror of Language



The picture in a mirror is not an exact effigy of what is reflected. It is always distorted and a bit mysterious. The mirror is a powerful tool, symbol and metaphor. What, if you look out of it? If you decide to even go through the looking glass like Alice did once, it can lead you into a wonderland.
Writing in another language is an adventure, reflecting your mother tongue but transforming your mind with new rhythm and melody.
Since collaborating with Bill Jenkinson and Oxford Stanza 2 in 2017 a process has started of translating and revising English-German or German-English poems. Suddenly I found myself writing poems in English and then translating them into German.
Bill and I will perform our way of collaboration, joggling the mirror of language.
I also will give examples of my practice to connect poetry with visual arts, especially my poems in mirror writing.


 

mirrored mirrorwriting, (c) Eva Wal





Der Mond

Der Mond hängt im Himmel

wie eine fleischfressende Pflanze

Grün, gefräßig und gelb

Ob nur für heute Nacht oder für alle Zeit:

Er ist ein grausam gewaltig zartes Blatt

aus mimosenhaftem Grün

Er hängt da für die Liebe

und sonst nichts.



The Moon 

The moon hangs in the sky

like a carnivorous plant

Green, greedy and yellow

Whether for this night or for all time

It is a daunting, cruel leaf tender

like mimosa

It hangs in the sky for love

nothing else.



Translation: Pat Winslow and Eva Wal



Under The Bell Jar, Hommage to Sylvia Plath


extract

insomnia

blood on my calf/ razor blue carpet/ the sea breathes through diaphanous curtains/ twenty birthday roses electrocuted/ waste paper basket/ your prying/ mother/ is vain/ I have no secrets/ succumbed to shadows/ I wince/ surreptitiously inside my belly/ I race/ downhill/ wind raking through my hair/ snowfall/ contraction of neon/ a pole a point/ I conceit/ I proceed/ sturdy vigilant/ a tunnel/ a light. 


Schlaflos

Blut auf meiner Wade/ rasierklingenblauer Teppich/ das Meer atmet durch Vorhänge/ durchsichtiger Stoff/ zwanzig Rosen zum Geburtstag mit Stromschlag hingerichtet/ Papierkorb/ dein Herumschnüffeln/ Mutter/ ist umsonst/ ich bin den Schatten erlegen/ zucke zusammen/ plötzlich in meinem Bauch/ ein Rennen/ bergab/ der Wind kämmt durch mein Haar/ Schneefall/ Neon-Kontraktion/ ein Pol ein Punkt/ ich begreife/ gehe voran/ beständig wachsam/ ein Tunnel/ ein Licht.


German version, own translation into German.


Three miniatures written after the reading of “The Bell Jar” by Sylvia Plath. They are made of words, expressions and images that got caught in the nets of my memory where they have changed or transformed to a certain extend. I also used words that I had to look up in a dictionary. 






Graphic poems

My graphic poems are some of my own poems written in mirror writing and woven into a texture, a fabric. They are not meant to be read but want to be understood as autonomous creatures, effigies behind the looking glass flying off into another dimension.



Taube
Dove



Was bleibt
What remains



Nacht
Night



Wundermorgen
Wondermorning



Die letzte Menschin
The last human being (female)



Ein Land in Dunkelheit
A land in darkness



Mehr Gedichte als Textgrafiken unter grafiken auf diesem Blog. Bitte runterscrollen.

More graphic poems on this Blog, see: grafiken. Please scroll down.



If you want more: 

poetry video - video poetry

on this Blog: 

https://evawal.blogspot.com/2019/07/judgement-day-video-poem.html

https://evawal.blogspot.com/2019/07/two-swallows-video-poem-from-bulgaria.html

https://evawal.blogspot.com/2019/07/youre-never-alone-in-forest-video-poem.html



Donnerstag, 14. Januar 2021

Cosmo

Cosmo 1, Gouache auf Papier, ca 98 x 76 cm, Januar 2021
 

Cosmo 2, Gouache auf Papier, ca 180 x 99


Montag, 4. Januar 2021

Dämmerung - Dusk and Dawn




Dämmerung

Wenn der Abend fällt
ziehe ich meinen Pelz aus
und bekleide mich mit Federn.

Zur Morgendämmerung entlasse ich mein Nachtvogel-
Kleid und sehe Haar zu Fell wachsen.

Dick wie Filz im Winter,
weit und himmelsblau im Sommer
trage ich mich selbst.

Im Frühling und im Herbst überquere ich
einen Zwischenraum.

Gehe durch Bäume,
über Berge und wandere
unter Flussströmen,

ich morgengraue und abendblaue






Dusk and Dawn

When evening has fallen
I take off my fur
and put my feathers on.

At dawn I let go my nightbird’s
gown and see hair grow to fur again.

Thick as felt in winter,
wide and celestial blue in summer,
I wear myself.

In spring and autumn I cross a passage
in between.

I walk through trees,
over mountains and wander
under river streams,

I dusk and dawn








Dusk and Dawn, auf Englisch geschrieben und dann ins Deutsche übersetzt.

Veröffentlicht bei FLORA FICTION Literary Magazine, Volume 2, Issue 1, Spring 2021 https://florafiction.com/literary-magazine/


Dienstag, 29. Dezember 2020

Farn




Farn


Auf dem Feld: Blätter aus Pappe, Karton und altem Leder.

Erster Raureif, fahles Birkenlaub, Aschefarne.


Ich schreibe nicht mehr, treibe nicht mehr, arbeite.

Die Zeit ein Sieb.


In diesem Jahr ist das Gras hochgewachsen.


Wenn wir Abschied nehmen, wird die Trauer über unser Fehlen

und unsere Täuschungen aufsteigen wie Frühnebel.


Wir rollen uns ein und weinen nicht mehr.


Wir gehen in die Erde, umschlungen wie

Monde mit Lianenarmen.


Wir treten ein und steigen auf.


Eines Tages sind wir Moleküle, Sterne,

Gras, Schädel, Staub.


Sind wir Teil des Meeres und ein Feuer am Himmel.


Heute rolle ich mich ein mit Zacken

auf der Haut, der Winterhaut.






Samstag, 12. Dezember 2020

Frostmond und Morgenvögel




Mond am Morgen. Taucht so nah über der Autobahn auf wie ein Jumbojet kurz vor dem Aufsetzen auf die Landebahn. Klebt wie ein Wahnsinniger im Himmel, prangt, leuchtorange. So eng am Horizont, so nah den frostigen Feldern, als sei er betrunken zur Erde gekommen in der Nacht, habe sich kurz ausgeknipst, um nicht gesehen zu werden, unerkannt zu bleiben und es dann nicht mehr an den Himmel geschafft, um von dort aus rechtzeitig unterzugehen. Nun steht er da, eingeschweißt in den Morgen, die taubenblaue Helligkeit, kann nicht rollen oder torkeln. Sein riesiges Auge, nur Pupille, orange, vielleicht essbar oder toxisch, glotzt dem Sonnenaufgang ins Gesicht, der sogleich zartrosa zerfließt. Eins mit Aurora wollte er werden, der blass leuchtende Riesenkörper, rosa und leicht, schwebend, doch sein Orange ist gemacht zum Prangen und nicht zum Vergehen. So bleibt die Sehnsucht zwischen beiden, Sonne und Mond, am Scheideweg des Horizonts, zerschnitten die Hoffnung, durchtrennt. Doch da steigt die Sonne aus dem Rosa und der Mond ist auf einmal verschwunden, hinausgefallen aus dem Bild. Ich schreie im Auto auf dem Weg zur Arbeit, aufgeregt, als hätte ich dem sonst so unfehlbaren Planeten ertappt bei seinem Coup; in seiner Verirrung, seiner Leidenschaft, dem erstarrten Leuchten am falschen Ort, mitten auf der Autobahn als falscher Jumbojet. Ein Morgenwunder.



Ein einzelner Vogel sitzt auf der Spitze eines Baumes. Äste und Zweige Zeichensprache.


Fenster auf: Vögel über dem Hügel, in die Luft geworfen, 
feingepunktet wie Mohnkörner, sirrend in Nebelgischt, zerstäubtem Glas. Vögel unsichtbar in den Bäumen und Wipfeln überall im und um das Dorf, das Haus, das Land, die Welt. Unbekannte Vögel und Vogelarten, ihr seid meine Stimme, mein Rauschen!
 




Freitag, 4. Dezember 2020

Sonntag, 8. November 2020

meer


heute ist ein vogeltag

ein wolkentag

ein wegetag

ich schlängel mich hindurch

oben: vögel enthüllen ihr licht

unten: schalen voll schaum und salz

ich sitze im rauschen und in mir ist es still

kein gedicht keine geheimnisse

meer.




































Norden


Spiegel schießen

durch Wolken

Atem reißt auf

das Meer meine Kraft


Kopf fliegt davon

Hagebuttenampel

über den Dünen


Unter die Wellen habe ich

meinen Rücken gelegt

warm ist es dort und still


Da oben die Drachen

Geheimnisse grölend

saufen Schnaps und

schneiden sich an Wolkenfetzen


Tiefer und tiefer sinkt der

Himmel schmilzt in den Strom

gen Norden.